Unterricht muss spannend sein – dann hören auch die angeblich ach so bildungsresistenten Jugendlichen zu. Dem Bildungsminister Holger Rupprecht und der Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe hingen sie gestern im Oberstufenzentrum jedenfalls an den Lippen, als sie über die DDR-Vergangenheit erzählten. Ungläubig erfuhren sie, dass Poppe in den 80er Jahren – schon lange von der Stasi bespitzelt – nachts, ohne Licht in einer Ruine unter Trümmern ein Kopiergerät hervorzog, es nach Hause trug und bei lauter Musik Dokumente für ihre Bürgerrechtgruppen vervielfältigte, damit der Staatsapparat ja nichts von ihrer konspirativen Tätigkeit mitbekam. Das war ein Geschichtsunterricht der anderen Art aus einem anderen Land, das nicht das der Schüler ist. Vermutlich wäre mit den jungen Leuten von heute kein Überwachungsstaat zu machen. Sie sind in Freiheit aufgewachsen und würden nicht akzeptieren, wenn ihnen diese Freiheit wieder genommen würde. Umso höher ist das Verdienst derjenigen einzuschätzen, die für demokratische Rechte eintraten – wie Ulrike Poppe. Kommen solche Zeitzeugen dann in die Schule, lernen die Schüler womöglich mehr als in einem Schuljahr Geschichte. Schade, dass Unterricht nicht immer so spannend sein kann.