KÖNIGS WUSTERHAUSEN - Gleich am Eingang hatte die Wache einen Gefangenen festgekettet, der laut über sein missliches Schicksal lamentierte, bis ihm sein Bewacher ziemlich rüde den Mund verbat. Welch raue Sitten anno dunnemals herrschten, konnten die Königs-Wusterhausener und viele Gäste aus nah und fern rund um das Schlossmuseum an manchen Stellen erfahren.
Da erläuterte beispielsweise ein Offizier, dass der Dienst seiner Rekruten morgens um vier begann, auf dass sie am Nachmittag noch etwas hinzuverdienen konnten. Martialische Musik sollte nicht das Herz erfreuen, sondern den Gegner erschrecken. Und wer in gewisser Runde auf den König anstieß, galt schon als dienstverpflichtet. Hans-Jürgen Fischer, Traditionspfleger aus dem sächsischen Maxen, schilderte den Umstehenden beredt und plastisch, was sich vor mehr als 250 Jahren in seinem Ort zutrug: „Die Österreicher haben das preußische Lager in Klump geschossen.“
Unablässig marschierten Grenadiere durch den Schlossgarten, luden auf Kommando ihre Büchsen ballettreif auf die Schulter oder von dieser wieder herab.
Königs Wusterhausen erlebte ein Wochenende der Barette und Pickelhauben, ordensgespickter Uniformbrüste und farbenfroher Gewänder, die die Damen mit Schleifen und Perlen im Haar sowie dekorativen Spitzen am Arm zu vervollständigen wussten.
Schlangen bildeten sich nicht nur am Bierstand, sondern auch vor dem Jagdschloss. „Siehst du, wie die Hunde hier das Schwein am Wickel haben“, erläuterte Manuela Krause aus Senzig ihrem Sohn dort eines der Jagdgemälde. Erst hatte der sechsjährige Philipp nicht viel Lust zum Besuch der Historie. „Aber jetzt gefällt es mir“, sagte der Junge.
„Die Akzeptanz ist riesengroß. Das Informationsmaterial wird uns förmlich aus den Händen gerissen“, freute sich Johann-Sebastian Strauß, Geschäftsführer der Potsdamer Langen Kerls, im Biwak. Auch die Königs-Wusterhausenerin Kathrin Behn, die militärischem Treiben sonst eher ablehnend gegenüber steht, zog eine positive Bilanz. „Hier wird einem ja so viel geboten – das ist das Eintrittsgeld wert.“ (Von Klaus Bischoff)