
Bildergalerie
KÖNIGS WUSTERHAUSEN - In der Bahnhofstraße ließ die Theatergruppe des Heimatvereins König Friedrich Wilhelm über leere Geldsäckel lamentieren und gegen neumodische Parfüms zu Felde ziehen. Das Volk solle sich lieber waschen, meinte der Monarch.
Der Gewerbeverband hatte in die Kupfer-Passage geladen. Hier präsentierte Friseurin Ondine Ballnus neben den gelockten Frisuren der Prinzessin Luise Haarköpfe, die heutzutage als modisch gelten. „Ich bin bei solchen Aktionen immer dabei“, betonte sie. „Die Verbindung von historischem Fest und abendlich belebter City ist toll.“ Gegenüber erläuterte Jutta Neubert in ihrem barocken Nähsalon den Heutigen die Kleidung von damals. „Einfache Leute trugen Leinen“, erfuhren ihre Gäste, „je höher der Stand, umso edler wurde die Seide.“
Viele besuchten die nach dem Motto „Vom Hofe zu den Höfen“ geöffneten Anwesen. Großen Zulauf verzeichnete der Thomashof, in dem zu Zwiebelkuchen und Winzerwein Musik erklang. „Ich habe hier mal gewohnt und mir immer gewünscht, einmal in diesem Hof zu spielen“, sagte Jürgen Dorn von der Band „The neighbors“. Bevor sein Wunsch in Erfüllung ging, war das „Trio Sonnenschein“ dran. Alle Gruppen, so Organisator Vesa Elbe vom Lionsclub, spielten lediglich für eine Aufwandsentschädigung. Die Einnahmen der Sektbar kämen einem Kinderschutzprojekt zugute.
Die Stimmung war bestens. „Sonnenschein“ schmetterte Hans-Albers-, Udo-Jürgens- und Henry-Valentino-Lieder in die Runde. Mit wenigen Stilmitteln gelang es den Dreien, feine Ironie zu erzeugen. Schon eine bestimmte Betonung, ein leicht überzogener stimmlicher Einsatz und ein entschlossenes Gesicht reichten dafür aus. So schunkelten Zuhörer bereits bei den ersten Tönen. Fans hielten ein mit Rosen bestücktes Transparent in die Höhe. Träger von Punk-Frisuren begannen sich im Takte zu wiegen.
Ruhiger ging es im Estler-Hof zu, wo eingerahmt von historischen Wirtschaftsgebäuden Evergreens erklangen. Ilse Estler, die 90jährige Besitzerin, konnte das Geschehen neben einem schwarzen Pudel in einem bequemen Stuhl auf dem Treppenabsatz aus der Höhe verfolgen. (Von Klaus Bischoff)