WILMERSDORF - Kurz vor Heiligengrabe weisen rollende Bässe den Weg in eine mystische Welt voller Farben und Klänge. Von vergangenen Donnerstag bis gestern folgen rund 4000 Besucher diesem Pfad, um auf dem „Indian-Spirit“ zu Trance-Musik zu tanzen und jenen magischen Moment zu erleben, der dem Festival seinen Namen verleiht.
Fünf Tage lang können die Gäste, die wegen der Veranstaltung aus aller Welt angereist sind, durch eine Art Wunderwelt wandeln. Es ist ein großes buntes Lager, an dem man sich nicht sattsehen kann. Von überall her weht der Duft internationaler Küche, und auf den insgesamt fünf Floors tanzen sich die Feierlustigen in einen Rauschzustand. Seine volle Wirkung entfaltet das „Indian Spirit“ wenn es dunkler wird, dann tauchen Lichtinstallationen und Lasershows die Tanzflächen in ein leuchtendes Meer bizarrer Formen.
Die Musik bringt die Leute zusammen, und gerade Begegnungen sind es, die den Geist des Festivals ausmachen. Billy und Raffael genießen die letzte Nachmittagssonne auf dem Platz. „Wir kommen aus Österreich und Bayern und haben uns gerade kennengelernt. Das geht hier ganz einfach, die Leute sind offen und entspannt, eine wirklich angenehme Stimmung“, schwärmen sie.
Die A 24 zwischen Berlin und Hamburg ist in der Goa- Szene längst bekannt als der „Festival-Highway“. Die weite Landschaft der Prignitz bietet zudem die ideale Voraussetzung für Goa-Partys, wie es die „Vuuv“ in Putlitz und das „Spiritual-Healing“ am Stausee in Preddöhl (Amt Meyenburg) dieses Jahr wieder zeigten.
Nun lässt das „Indian-Spirit“-Festival den Open-AirSommer standesgemäß ausklingen. Es sind die Harmonie und Toleranz der Besucher, die die Veranstaltung zu dem machen, was sie ist. Dass aber auch Drogen einen Platz in Goa- und Tranceszene haben, ist kein Geheimnis. Um dieses Problem kümmert sich auch der gemeinnützige Verein „Odyssee“, der sich das Ziel gesetzt hat, die Feiernden gesund durch das Festival zu bringen. „Unsere Arbeit wird gut angenommen“, sagt Karsten Willhöft, Mitarbeiter des „Partyprojekts Odyssee“. „Wir wollen nicht moralisieren, sondern sachliche Informationen liefern. Wichtig ist uns der vorsichtige Umgang mit Drogen“, erklärt Willhöft seine Aufgabe auf dem Festival.
Noch sachlicher geht die Polizei mit dem Thema Drogenmissbrauch um. Während der gesamten Dauer des Festivals gab es Kontrollen, bei denen mehrere Verstöße festgestellt wurden. „Genaue Zahlen haben wir noch nicht, aber für die kurze Dauer der Veranstaltung waren es verhältnismäßig viele Vergehen“, sagte die Prignitzer Polizeisprecherin Bianca Krege gestern auf MAZ-Nachfrage. Die Kontrollen seien laut Krege nicht so umfangreich gewesen wie etwa beim „Vuuv“-Festival. Eine endgültige Statistik will die Polizei in den nächsten Tagen veröffentlichen.
Gestern Mittag endete das Festival, Zelte wurden abgebaut und der Platz wurde geräumt. Viele möchten im nächsten Jahr wiederkommen, in die Prignitz, wo es sich im Sommer so gut feiern lässt. (Von Christine Stier)