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08.09.2010

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BILDUNG: Musikerziehung per Gutschein

FDP-Analyse zur Musikschulfinanzierung: Hälfte der Subventionen wird ineffizient eingesetzt

Die Subventionierung der musischen Bildung in der Landeshauptstadt soll umgestellt werden: von der bisherigen institutionellen Förderung auf eine zielgerichtete nach Bedarf für Kinder aus sozial schwachen Familien und begabte Nachwuchstalente – auf der Basis von Bildungsgutscheinen. Diese könnten die Eltern dann an einer Musikschule ihrer Wahl – staatlich oder privat – einlösen. Das schlägt die Stadtfraktion der FDP nach einer Analyse zur Musikschulfinanzierung vor. In den Genuss staatlicher Förderung kommt derzeit nur eine von fünf Einrichtungen in Potsdam: die kommunale Musikschule „Johann Sebastian Bach“. Sie erhält von der Stadt und vom Land insgesamt 1,3 Millionen Euro an Zuschüssen; die Einnahmen aus Elternbeiträgen betragen 849 800 Euro. Die Hälfte der Subventionen – rund 640 000 Euro –, kommt Bedürftigen aber nicht zugute, weil davon Einzel- und Gruppenunterricht günstiger angeboten wird als bei der privaten Konkurrenz, kritisiert Marcel Yon. Der Potsdamer FDP-Chef und Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl sieht darin eine „wettbewerbsverzerrende“ Quersubventionierung von Kursen, die auch private Musikschulen anbieten: Statt der marktüblichen 80 Euro pro Unterrichtsstunde würden nur 60 verlangt. Lediglich 4,1 Prozent der Subventionen (53 642 Euro) würden tatsächlich für Sozialnachlässe verwendet. Das Fazit der Studie: Die „Bach“-Schule erhalte mehr Zuwendungen als sie für subventionsbedürftige Aktivitäten ausgibt.

Dieses System fördere die „Ineffizienz der Institution“, so Yon. Würden die 640 000 Euro per Gutschein ausgereicht, könnten 13-mal mehr Bedürftige davon profitieren als bisher. Dafür will die Fraktion bei den Stadtverordneten werben, wohl wissend, dass es „viel Unverständnis und Ignoranz“ gegenüber Bildungsgutscheinen gebe, so Yon. In Holland und den skandinavischen Ländern funktioniere das Gutschein-System gut, sagte Fraktionschefin Martina Engel-Fürstberger. Sie moniert zudem lange Wartezeiten von bis zu „zwei Jahren“ und „eine völlig willkürliche“ Verteilung der Fördergelder an der städtischen Musikschule. Deren Leiterin Heike Lupuleak sagte auf Nachfrage, in Fächern wie Klavier und Violine gebe es Wartezeiten, aber „keine zwei Jahre“, Oboe könne man indes sofort lernen. Sie erklärte, dass 20 Prozent der Schüler Familienermäßigungen erhalten. Sozialnachlass können ALG-II-Empfänger für ihre Kinder erst nach Aufnahme in der Schule beantragen. (Von Carola Hein)


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