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19.03.2011

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Zu neuen Horizonten

Und doch auf alten Spuren: Kreidler & Future Fluxus

Als ernstzunehmender deutscher Beitrag zur internationalen Rockmusik wird „Krautrock“ vorrangig im Ausland gelobt. Zu Hause werden Bands wie Can oder Amon Düül eher als Exoten belächelt, gar als verkopfte Sound-Konstrukteure abgelehnt. Ausnahmen wie Kraftwerk bestätigen die Regel. Weil aber doch immer wieder britische und amerikanische House- und Techno-Produzenten deutsche Ideengeber preisen, rücken alte Krautrock-Helden allmählich auch zu Hause ins Blickfeld.

In dieses Umfeld passt die jüngste CD der 1994 in Düsseldorf gegründeten Band Kreidler. Denn auf „Tank“ finden sich wesentliche Zutaten des Genres: hypnotische Klangschleifen und strenge rhythmische Struktur. Bei Kreidler wächst dem Schlagzeug eine prägende Bedeutung zu, die weit übers Taktgeben hinausgeht. Mit zischenden Schlägen dominiert es das programmatische Auftaktstück „New Earth“, klammert auseinander strebende Motive aus düsteren Keyboard-Passagen und rauschhaften Synthies zusammen. Ein paar Tage Aufnahmesession haben dem Quartett genügt, um einen improvisierten Musikstrom einzufangen, der mit Drehungen und Wendungen überrascht, klassisch anmutende Klänge einbindet, kühle Rhythmik und heftige Trommelattacken aufweist. Bei Kreidler vermählen sich in sechs überlangen Instrumentalstücken Futurismus früher Rock-Quellen mit House-Sounds der modernen Dance-Clubs. Kreidler scheinen einen Weg zurück in die Zukunft gefunden zu haben.

Dicht auf den Fersen ist ihnen die Berliner Neugründung Future Fluxus. Unter der Führung von Sänger und Gitarrist Thomas Kastning (Ex-Kate-Mosh) nimmt die Crew Fahrt auf, erobert neue Klangwelten und entdeckt fast vergessene für sich und ihr Publikum wieder. Kastning und Co bevorzugen zerklüftete Sound-Landschaften, die bedächtiges Aufsteigen erfordern, aber hin und wieder auch Vollgas erlauben.

Zum Nebenherhören eignen sich Future Fluxus kaum. Zuweilen leistet sich das Quartett aber einen Schlenker Richtung Pop. „Semicolon Bracket Close“ ist überraschend eingängig. Der Band gelingt der Brückenschlag zwischen mathematisch anmutender Song-Architektur und leidenschaftlicher Umsetzung. Unverkennbar die Spiellaune, die Experimentierlust, der Spaß am Hakenschlagen. Das verführt zum Erweitern musikalischer Horizonte. (Von Gerd Dehnel)


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