Die Kehrtwende der Bundesregierung in der Energiepolitik rückt ein vermeintliches Randthema plötzlich ins Zentrum der Diskussion: den Ausbau der Stromnetze. Mit dem jetzigen, auf überkommene Kraftwerks- und Versorgungsstrukturen ausgerichteten Netz lässt sich der Umstieg auf erneuerbare Energien nicht bewältigen. Auf rund 3600 Kilometer schätzt die Deutsche Energieagentur den Bedarf an neuen Leitungen. Dagegen formiert sich bereits Widerstand: Landauf, landab wehren sich Bürger gegen Hochspannungsleitungen. Dieser Protest ist legitim. Allerdings muss, wer den Umstieg auf erneuerbare Energien wirklich will, auch bereit sein, dafür Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Unterirdische Kabel sind vielleicht in Städten und in Naturschutzgebieten eine Option. Überall sonst machen sie den sauberen Strom unnötig teuer. Möglicherweise lässt sich der Widerstand ja reduzieren, indem die vom Netzausbau betroffenen Kommunen einen Ausgleich für ihre Nachteile erhalten – entweder in Form von Kompensationszahlungen oder als Sachleistungen, zum Beispiel Arbeitsplätze. Denn die neuen Leitungen brauchen auch viel Personal, das sie in Schuss hält.