POTSDAM - Nackte bringen Umsatz. Die Kristalltherme in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) zählt pro Jahr rund 600 000 Besucher – so viele wie kein anderes Erlebnisbad im Land. Das Konzept mit dem textilfreien Schwimmvergnügen scheint aufzugehen. 20 Thermal- und Spaßbäder gibt es mittlerweile in Brandenburg. Wer da nicht untergehen will, muss seinen Gästen etwas Besonderes bieten. Das reicht von FKK wie in Ludwigsfelde bis hin zu einem Pinguinbecken in den Spreewelten in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz).
„Es ist ein schwieriger Markt“, sagt Birgit Kunkel, Sprecherin der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB). Dennoch sollen zwei weitere Bäder in der Mark eröffnen. Potsdam plant nach dem Scheitern des Niemeyer-Bades auf dem Brauhausberg nun im Buga-Park ein Freizeitbad mit Saunalandschaft. Kosten: 20 Millionen Euro. In Werder/Havel sollen sich ab Ende 2012 die ersten Gäste in der Blütentherme tummeln – obwohl 50 Kilometer entfernt in Bad Belzig (ebenfalls Potsdam-Mittelmark) seit Jahren eine Therme vor sich hin dümpelt.
Rund 500 Besucher am Tag zählt die Steintherme in dem Solekurort – zu wenig, um schwarze Zahlen zu schreiben. „Nicht die Thermen verdienen das Geld, sondern mit den Thermen wird Geld verdient“, liest Kurortkoordinator Christian Kirchner das Positive in der Negativbilanz. Er nennt es „touristische Wertschöpfungskette“: Wer sich wegen der Therme im Ort aufhalte, gebe auch in Geschäften Geld aus. So profitiere schließlich ganz Belzig von dem Bad – auch wenn die städtische Betreibergesellschaft Kuf selbst nach der 4,5 Millionen Euro teuren Sanierung der Therme 2009 weiter rote Zahlen schreibt. Für das dahinplätschernde Bad musste nun sogar das Land den Rettungsring werfen: Bad Belzig erhält aus dem Notfonds für klamme Kommunen rund eine Million Euro. Die Stadt hatte die Mittel als Ausgleich für den Einnahmeverlust während der siebenmonatigen Sanierung der Therme beantragt. Davor waren wegen Reparaturarbeiten schon einmal 600 000 Euro aus dem Nottopf an die Stadt geflossen.
Fördermittel gibt es für den Neubau von Bädern nicht mehr. Insgesamt 120,7 Millionen Euro wurden von 1993 bis 2005 in die Bäder gepumpt. Seitdem ist der Geldhahn zugedreht. Nach Vorliegen der Bäderplanung 2006 betrachte die Landesregierung diese für abgeschlossen, erklärt Steffen Streu, Sprecher des Potsdamer Wirtschaftsministeriums. Man gehe davon aus, dass es im Land eine akzeptable Versorgung mit verschiedenen Bädertypen gebe – sowohl für die kommunale Daseinsvorsorge als auch für den touristischen Bedarf. Jedem, der auf eigene Rechnung ein Bad bauen wolle, stehe das aber frei.
Werder ist so frei und will für 18 Millionen Euro in den Havelauen seine Blütentherme eröffnen. Die Stadt muss sich dafür mit neun Millionen Euro verschulden. Insgesamt ist es die größte Ausgabe Werders seit der Wende. Bauherr ist die bayrische Kristallbäder-Gruppe, die bereits die FKK-Therme in Ludwigsfelde und eine weitere in Bad Wilsnack (Prignitz) betreibt – und neben das Bad in Werder gleich noch ein Viersternehotel stellen will. Widerstand gegen das Projekt gab es kaum. Lediglich die Linken äußerten Bedenken, das Bad könne – angesichts der vorhandenen Einrichtungen – zum Millionengrab werden. „In Werder wird das Geld mit vollen Händen rausgeschmissen“, kritisierte der Landtagsabgeordnete Andreas Bernig.
„Der Markt ist endlich“, meint auch Bad Belzigs Kurortkoordinator Christian Kirchner mit Blick auf die baldige Konkurrenz. Man beobachte genau, was sich in Werder entwickele – und denkt nun ebenfalls über den Bau eines Hotels nach. Kirchner ist optimistisch, dass sich die Steintherme weiter über Wasser halten werde. Die Therme mit ihren Solebecken sei eine Gesundheitseinrichtung – und damit etwas Besonderes.
Nur wer sich spezialisiert, könne sich halten, glaubt auch Birgit Kunkel. Weitere Überlebensstrategie: „Die Bäder dürfen sich nicht allein wie ein Ufo in der Landschaft fühlen.“ Sprich: Die Vernetzung mit anderen Tourismusanbietern vor Ort müsse gelingen, ein Gesamtpaket geschnürt werden. „Die Bäderlandschaft ist insgesamt wichtig für den Tourismus“, so Kunkel. Mithilfe der Wohlfühloasen sollen ganzjährig Besucher in die Mark gelockt werden. Die meisten Badegäste kommen dabei aus Berlin.
Ob es genug sind, damit von den bald drei Bädern in der Potsdamer Region keines baden gehen muss – diese Prognose wagt die Tourismusexpertin nicht. Für das Potsdamer Bad zumindest sieht sie gute Chancen. Weniger wegen der Touristen, sondern der Einheimischen. „Viele Potsdamer wünschen sich ein attraktives Bad“, meint sie und fügt hinzu: „Die Stadt wird sich das schon gut überlegt haben.“ (Von Marion Kaufmann)