KYRITZ - „Kyritz, Pyritz“ sollte für Kyritzer Filmfreunde zweifellos ein Vergnügen der besonderen Art sein. Zwar wurde der Film nicht in Kyritz gedreht, sondern in Berlin, aber Kyritzer stehen in diesem Film im Mittelpunkt des Geschehens. Nun hat man erfahrungsgemäß in Berlin öfter mal die Neigung, sich über die Provinz lustig zu machen. Skepsis ist deshalb angebracht. Tatsächlich kommen in diesem Film die Kyritzer auch nicht allzu gut bei weg.
Verfilmt wurde ein Lustspiel, das 1881 im damaligen Central-Theater in der alten Ja-kobstraße in Berlin uraufgeführt worden war. Autoren dieses Lustspiels waren
Heinrich Wilken (1835 – 1886) und Oscar Justinus Cohn
(1839 – 1893). Wilken, zugleich Schauspieler und Direktor des Berliner Central-Theaters, und ebenso Oscar Justinus Cohn (der sich später nur Oscar Justinus nannte) zählten zu ihrer Zeit zu den bekannten und erfolgreichen Lustspielautoren. Ihr Werk „Kyritz – Pyritz“ wurde damals mit zahlreichen Musikeinlagen präsentiert plus Untertitel „Die lustigen Weiber von Kyritz, eine Posse in drei Aufzügen“. Man kann sagen, daß es seit seiner Uraufführung, also in den vergangenen 130 Jahren immer wieder irgendwo in Deutschland gespielt wurde, auch nach dem Zweiten Weltkrieg, 1954 zum Beispiel im Berliner Schlossparktheater, 1966/67 im Schauspielhaus Wuppertal, 1979 im Renaissancetheater Berlin, 1991/92 im Mecklenburgischen Landestheater Parchim und zuletzt 2007 im hessischen Freilichttheater in Twiste. Dieser Erfolg führte letztlich 1931 auch zur Verfilmung.
Die Erstaufführung des Streifens am 7. September 1931 lief mit dem Untertitel „Flotte Ehemänner“. Damals gehörte „ins Kino gehen“ zum wichtigsten Amüsement. Es wurden eine Vielzahl von Lustspielen gezeigt. „Kyritz – Pyritz“ galt als Alt-Berliner Schwank, wurde von der Kritik allerdings nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen. Die Kritiker waren wohl der Auffassung, daß die Witze zum Teil „olle Kamellen“ seien. Immerhin war der Film besetzt mit damals sehr bekannten und beliebten Filmschauspielern, und der Schlager in diesem Film, der Tango „Dort unter dem Fliederbaum“ wurde bald zu einem sehr beliebten Schlager. Heute ist er den meisten kein Begriff mehr.
Die Geschichte des Films ist etwas chaotisch: Der Kyritzer Bürgermeister Lietzow, der Kyritzer Apotheker Piepenberg und der Kyritzer Weinhändler verabreden abends bei einem Gläschen Wein, heimlich eine Spritztour nach Berlin zu unternehmen. Der Bürgermeister will seine erwachsen gewordene nichteheliche Tochter Anni wiedersehen. Der Apotheker will endlich seine heimliche Zeitungsbekanntschaft kennenlernen, und der Weinhändler spekuliert auf ein hübsches Abenteuer. Um sich vor ihren Ehefrauen zu rechtfertigen, fingieren sie ein Telegramm, das sie aus dienstlichen Gründen nach Berlin beruft. Angekommen in einer dortigen Pension, will es der Zufall, daß gerade auch drei Herren aus der Nachbarstadt von Kyritz, nämlich der Stadt Pyritz hier ankommen.
Und damit beginnen die Verwicklungen. Inzwischen haben die verlassenen Ehefrauen der Kyritzer natürlich gemerkt, daß sie beschwindelt wurden. Frau Bürgermeister vermutet, dass es sich bei der nichtehelichen Tochter um eine Geliebte ihres Mannes handelt, die Apothekers- und die Weinhändlergattin vermuten Ähnliches. Alle drei beschließen, ihren Ehegatten hinterher zu fahren. Mehr wird nicht erzählt.
Der Kyritzer Bürgermeister Lietzow wird von Max Adalbert gespielt. Max Adalbert (1874 bis 1933) war ein bekannter Theater-, später auch Filmschauspieler, der zunächst in Liebhaberrollen, später vor allem als Komiker große Erfolge hatte. Zu seinen größten Erfolgen gehörte 1931 seine Darstellung des Hauptmanns von Köpenick am Deutschen Theater in Berlin.
Henry Bender (1867-1933) gibt den Apotheker Piepenberg. Auch Bender galt als ausgesprochen komisches Talent. Er begann seine Karriere 1908 in Stummfilmen, spielte insgesamt in mehr als 100 Produktionen. In dem Film „Eine tolle Nacht“ spielte er einen Fabrikanten für Insektenpulver aus Essig an der Gurke. Man sieht, die Filmemacher hatten damals ein äußerst komisches Talent. Also brauchen wir Kyritzer uns wegen des Films „Kyritz-Pyritz“ gar nicht zu genieren.
Paul Hörbiger spielt den Weinhändler Rux. Paul Hörbiger (1894-1981), ein Onkel der bekannten Schauspielerin Christiane Hörbiger und selbst natürlich auch ein außerordentlich bekannter Darsteller, hatte 1931 gerade erst seine Filmkarriere begonnen. Im Verlauf seines Lebens hat er in 260 Filmen gespielt, darunter reichlich Komödien, und ist sicher vielen Menschen mit seiner „grantlhuberischen Wiener Art“ heute noch in Erinnerung.
Lotte Stein (1894-1982) ist in „Kyritz, Pyritz“ seine Gattin. Sie war damals bereits eine bekannte Filmschauspielerin und spielte insgesamt in 78 Filmen. 1933 mußte Lotte Stein in die USA emigrieren, kehrte aber 1945 zurück nach Deutschland und spielte in der Nachkriegszeit noch in zahlreichen Fernsehfilmen. In den USA wurde der Film „Kyritz-Pyritz“ übrigens ebenfalls gezeigt).
Lilian Ellis (1907-1951) spielt die Nichte der Berliner Pensionsinhaberin. Auch sie emigrierte 1933, kam aber nicht wieder zurück.
Schließlich war auch Paul Westermeier (1892-1972), der den Schneider Schwefelmann aus Pyritz spielt, ein sehr bekannter Schauspieler seiner Zeit. Er war am Theater engagiert und im Verlauf seines Lebens zudem in mehr als 200 Filmen, zum Beispiel ebenfalls im Jahr 1931 zusammen mit Heinrich George und Bernhard Minetti in dem Film „Berlin Alexanderplatz“ oder in „Des Teufels General“.
„Kyritz,Pyritz“ wird innerhalb des 2. Kyritzer Filmfestes am kommenden Donnerstag um 16 Uhr im Wusterhausner Lindenkino gespielt. Die hier veröffentlichten Bilder stammen aus dem Programmheft zum Film 1931 entnommen (Illustrierter Filmkurier Nr. 283) (Von Dorte Schmeissner)
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
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