POTSDAM - Am Wochenende lockte die Landpartie wieder mehr als 100 000 Naturfreunde in die märkischen Dörfer. Mit dabei war auch der Reiterhof Blumberg (Barnim), der am Sonnabend mit einem Hoffest und am Sonntag mit einem Reitturnier für Kinder und Jugendliche lockte. Doch der Hof steht im Zwielicht. Der Verfassungsschutz interessiert sich dafür.
Auf dem Gelände findet sich nicht nur ein Kinder- und Jugendreitverein, sondern auch das „Märkische Familien- und Hilfswerk“, das Ingo P. leitet. P. war bis vor Kurzem Beisitzer im Landesvorstand der NPD, inzwischen hat er nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes die Partei verlassen. Im Hauptberuf ist P. Versicherungsmakler. Sein Büro trägt den Namen „Volksschutz“.
Sein „Hilfswerk“ hat sich der „Verteilung und Vermittlung von Sachspenden“ verschrieben, organisiert eine Kleiderkammer sowie Sportangebote und Freizeitfahrten. Auch eine Reiterfreizeit des Blumberger Hofes wird nach Informationen des „Berliner Kuriers“ per E-Mail beworben. Adressiert an „Kameraden und Kameradinnen“ heißt es dem Blatt zufolge darin: „Für Kinder und Jugendliche aus entfernten Gauen organisieren wir die Abholung.“ Auf dem Programm „in Mitteldeutschland“ stehen „Lagerfeuer, Nachtwanderungen“. Nach der Anmeldung werden die Kinder dem Schreiben zufolge nicht nur nach Reitkenntnissen, sondern auch nach „Weltanschauung“ eingeteilt. „Bitte leitet diese e-Post an Kameraden aus unserem weltanschaulichen Bereich weiter“, heißt es schließlich. Statt 379 Euro soll die sechs Tage dauernde Freizeit nur 180 Euro kosten.
Die angekündigte „Einteilung“ der jungen Reiter könnte auch einen geschäftlichen Hintergrund haben: Der Hof bietet Freizeitfahrten auch ideologisch unverdächtig über ein Rabattportal an – zu den gleichen Preisen. Allerdings richtet sich das Angebot dann nicht an „Kameraden“, sondern weniger völkisch an „Kids“ und „angehende Cowboys“.
Die Betreiberin des Reiterhofs, Jana M., ist entsetzt, spricht von Lügen, die über ihren Hof verbreitet würden. Sie habe sich entschlossen, gar nicht auf die Vorwürfe einzugehen, sagt sie am Telefon, fährt dann aber doch fort: „Ich kenne diese E-Mail nicht.“ Niemand habe in ihrem Namen Werbung gemacht, sagt sie und betont, dass die unter der Reiterhof-Adresse ansässigen Firmen und Vereine – also das Hilfswerk und das Volksschutz-Büro – getrennt voneinander agierten.
Diese Trennung kann man beim Verfassungsschutz nicht erkennen: Dass die drei Betriebe unter einer Adresse agieren, sei „sicherlich kein Zufall“, heißt es beim Brandenburger Innenministerium. „Offensichtlich ist es so, dass der politische Hintergrund auch für eigene Geschäfte genutzt wird.“ Der Verfassungsschutz habe seit Längerem ein Auge auf den Hof. Allerdings könne man den Akteuren die wirtschaftliche Betätigung nicht verbieten.
In der linken Szene wird Jana M. der völkisch-nationalen Bewegung zugeordnet. Sie stehe der neonazistischen „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ (GdF) nahe. Ein Foto soll Jana M. bei einer Fusionsveranstaltung von DVU und NPD zeigen. „Ich war nie bei so einer Veranstaltung “, beteuert sie. Am Wochenende habe eine türkische Großfamilie den Hof besucht und sei ganz begeistert gewesen. (Von Torsten Gellner)