POTSDAM - Brandenburgs Präsenz auf dem Aktienmarkt-Parkett wird sich im kommenden Jahr wohl ein wenig vergrößern (s. Kasten). Der in Teltow (Potsdam-Mittelmark) ansässige Kfz-Direktversicherer Direct Line bereitet sich gemeinsam mit dem britischen Mutterkonzern, der Royal Bank of Scotland (RBS), auf eine Notierung an der Londoner Börse in der zweiten Jahreshälfte 2012 vor. Das kündigte Direct-Line-Vorstandschef Uwe Schumacher gestern an.
Grund ist eine Vorgabe der EU, die der quasi in Staatsbesitz befindlichen RBS auferlegt hat, sich von Geschäftsbereichen zu trennen. Zu den 15 Unternehmensteilen, die die Bank herauslösen will, gehört auch die Versicherungsgruppe Insurance. Die RBS war zu Zeiten der Finanzkrise auf umfangreiche öffentliche Hilfen angewiesen und gehört seither zu 84 Prozent dem britischen Staat.
Im Kreis der Insurance-Gruppe mit Beitragseinnahmen von im vergangenen Jahr rund sieben Milliarden Euro und gut 17 000 Beschäftigten ist Direct Line ein eher kleinerer Partner. Schumacher versicherte aber, mit Direct Line in Brandenburg bleiben und nicht den Firmensitz aus Kostengründen ins Ausland verlagern zu wollen. Die Beschäftigten am Standort Teltow bezeichnete er als „gut qualifiziertes Team, mit dem man auf dem hart umkämpften Markt der Kfz-Versicherungen bestehen“ könne.
In den letzten fünf Jahren hat der Direktversicherer die Anzahl der Policen jeweils um zehn Prozent steigern können und betreut damit Versicherungen für 450 000 Autos. Die Zahl der Beschäftigten wuchs seit 2007 um ein Fünftel auf nunmehr 350. Bei einer Beitragssumme von 150,6 Millionen Euro konnte die seit 2002 unter dem Namen Direct Line antretende Versicherung 2010 erstmals einen Gewinn in Höhe von 700 000 Euro an die RBS abführen. Zuvor hatte das Unternehmen jahrelang unter anderem wegen hoher Schadensschwankungsreserven nur jeweils eine schwarze Null schreiben können. (Von Gerald Dietz)