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01.09.2011

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STATISTIK: Im Osten leiden mehr an Volkskrankheiten als im Westen

Barmer-GEK-Experten sehen in der Abwanderung von Menschen mit geringen Gesundheitsrisiken eine der Ursachen

BERLIN - Mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung tun sich bei der Untersuchung von Krankheitsbildern neue Unterschiede zwischen Ost und West auf. Die meisten Volkskrankheiten sind im Osten – gemessen an der Bevölkerungszahl – stärker verbreitet als im Westen. Das zeigen Erhebungen der Krankenkasse Barmer GEK mit Daten ihrer 8,4 Millionen Versicherten.

Beispiel Diabetes: In allen ostdeutschen Ländern kommt die Zuckerkrankheit häufiger vor als im Bundesdurchschnitt – besonders stark in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Hier gibt es sogar mehr schwerkranke Diabetiker etwa mit Nierenkomplikationen als Erkrankte ohne Komplikationen. Krankheitsschwerpunkte laut Statistik sind Görlitz, Leipzig und Halle. Schleswig-Holstein und Hamburg, Niedersachsen, aber auch Baden-Württemberg haben dagegen im Schnitt die wenigsten Diabetiker – und die wenigsten sind dabei schwer erkrankt.

Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Deutlich mehr Kranke gibt es auch hier im Osten, zudem in einigen Teilen des Saarlands, Ostbayerns und des Ruhrgebiets. In Dessau, Halle und Cottbus registrierten die Experten im Schnitt die meisten Fälle. Baden-Württemberg, Hamburg, Schleswig-Holstsein und Südbayern sind seltener als der Bundesdurchschnitt betroffen.

Doch warum ist der Osten zumindest bei diesen Volksleiden kränker? Der oberste Barmer-Controller, Uwe Repschläger, der die Zahlen aufbereitet hat, sieht das vor allem als Folge der Abwanderung der Menschen mit geringeren Gesundheitsrisiken. Vor allem Besserverdiener und Gebildete seien gegangen – somit sei auch eine „Gesundheitsmigration“ vollzogen.

Außerdem fielen den Kassenexperten mehr „Einpersonenhaushalte“, also Alleinstehende, im Osten auf. Auch Alleinsein kann Krankheiten befördern. So kommt es, dass der Osten selbst dann kränker erscheint, wenn die Statistiker herausrechnen, dass es hier auch mehr Ältere gibt, die ohnehin mehr Leiden haben. Doch eine echte Ursachenforschung haben die Fachleute nicht betrieben.

Bei der Gesundheit im Osten hapert es keineswegs durch die Bank. Bei Sucht und Abhängigkeit – vor allem Alkoholerkrankungen – rangiert Ostdeutschland unter den Befürchtungen. Berlin, Hamburg, Kiel und insgesamt die Küste liegen hier an der Spitze. Und auch bei den Depressionen sind sämtliche Stadtstaaten am stärksten betroffen – und die Bayern. Zufällig gibt es in den meisten dieser Regionen auch besonders viele Psychotherapeuten. dpa (Von Basil Wegener)


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