POTSDAM / TELTOWER VORSTADT - Das Leipziger Dreieck wird an der Gabelung von Albert-EinsteinStraße und Heinrich Mann-Allee von einem der markantesten Potsdamer Gebäude dominiert: Das Team der Open-Art-Space-Organisatoren entdeckte die seit Jahren stillgelegte Brauerei bereits im Vorjahr und testete erfolgreich ihre Eignung zum Ausstellungsort. Am Mittwochabend feierte also Open-Art-Space II die unterhaltsame Wiedererweckung als damit fast schon etablierter „Projektraum-Kunst“. Seine zentrale Lage mit der Verankerung im Verkehrskreuz um den Hauptbahnhof garantiert zudem Erreichbarkeit auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Vor dem zweigeschossig genutzten Ausstellungsbereich hatte mit Steffen Blunk bereits im Hof einer der beiden Organisatoren seinen künstlerischen Beitrag unübersehbar präsentiert. Ein kleines, aus Latten gezimmertes Haus, mit einer Europafahne geschmückt und durch Stacheldraht gesichert, erheischte Aufmerksamkeit. Wer es betrat, dem bot sich der Blick auf einen Stuhl mit Stacheldrahtsitzfläche, der vor einem Tisch stand, dessen Blickfang eine alte Schreibmaschine war, in die ein Formular „Nachweis der europäischen Abstammung“ eingespannt war. Drinnen ging es dann glücklicherweise meist weniger plakativ zu. Die fast drei Dutzend Künstler, die sich mit Einzelprojekten oder als Gruppe beworben hatten, waren von einer Jury ausgewählt, womit für einen gewissen Qualitätsstandard gesorgt war. Themenvorgaben oder Genre-Beschränkungen gab es keine, was den Spaziergang durch die meist kleinen Räume zu einer recht abwechslungsreichen Tour machte.
Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, mit den Schöpfern der oft wundersamen Kreationen ins Gespräch zu kommen. Auffällig waren im Gewirr dieses oft lauten und stellenweise qietschebunten Kunstzirkus die traditionellen Landschaftsbilder der Schweizer Künstlerinnen Alexandra Carambellas und Ursula Antesberger. Letztere zeigt auf grabesschwarzen Kohlezeichnungen infernalisch flammende Brände und was sie übriglassen. Auch Carambellas Miniaturformate bestechen durch einen geradezu knappsten Gebrauch der künstlerischen Mittel. So schafft sie Ahnungen von eindringlichen Alpenszenarien bei denen man den Wind pfeifen hört und den eigenen Atem schmeckt. Beide belegen die Binsenweisheit, dass in der Kunst weniger oft mehr ist. Von den vielen großformatig arbeitenden Künstlern dieser Ausstellung ist der Berliner Johann Büsen zur Inaugenscheinnahme empfohlen. Sein grafisch perfekt komponiertes Trödelkompott aus Alltagsversatzstücken besticht durch Übersichtlichkeit, wie sie sonst nur noch auf Schnittmusterbögen anzutreffen ist. Von den eher chromatisch arbeitenden Künstlern sei Matthias Reinmuth genannt, dessen fahles Blau allein den Besuch dieser Schau wert ist. (Von Lothar Krone)
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