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10.09.2011

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PAPIERINDUSTRIE: Wo das Papier aus der Walze jagt

Progroup stellt in Eisenhüttenstadt jährlich 600 000 Tonnen davon her

EISENHÜTTENSTADT - Brandenburg ist seit gestern auch ganz offiziell größter Papierproduzent Deutschlands. Mit einem Festakt wurde die Papierfabrik der Progroup in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) in Betrieb genommen.

Herz des 2,5 Kilometer langen Werksgeländes ist ein „Gigant der Papierproduktion“, wie Progroup-Chef Jürgen Heindl zur Eröffnung sagte. Mit einer kaum vorstellbaren Geschwindigkeit von 1600 Metern pro Minute jagen die über zehn Meter breiten Papierbahnen in der feuchtwarmen Atmosphäre der Fabrikhalle aus der Walze. Das ist Weltrekord, wie Heindl verriet. Bis zu 2300 Tonnen Altpapier können pro Tag zu Wellpappe-Rohpapier verarbeitet werden, das als Rohstoff für die Verpackungsindustrie dient. Die Produktion wurde im März 2010 aufgenommen. Nach Angaben des Unternehmens ist es nicht nur die schnellste, sondern auch die weltweit größte Papiermaschine ihrer Art.

Trotz der Rekordzahlen prägten verhaltene Töne die Eröffnungsfeier. Angesichts der Herausforderungen durch die Schuldenkrise gehe es jetzt weniger um weitere Expansion als um den Erhalt des Erreichten, so Heindl. „Manchmal muss man auch darum kämpfen, sich nichts wegnehmen zu lassen“, sagte er. Einbrüche in der Industrieproduktion machen sich für die Produzenten des Verpackungsrohstoffs Pappe früh bemerkbar.

„Die See wird rauer“, sagte auch Altbundespräsident Roman Herzog in seiner Festrede. In einer Zeit wachsender internationaler Konkurrenz müsse es für europäische Unternehmen darum gehen, durch eine Steigerung der Qualität weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der brandenburgische Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) sieht die Fabrik als Gewinn für den Industriestandort Brandenburg. „Es war gut, dass es uns gelungen ist, diese strukturpolitisch wichtige Investition in die Region zu holen“, sagte er. Sein erster Firmenbesuch als Minister galt der damals noch im Bau befindlichen Fabrik galt.

Besondere Freude herrscht im Rathaus der bisher ganz durch den Stahlkonzern Arcelor Mittal geprägten Stadt. „Eisenhüttenstadt hat ein zweites industrielles Standbein“, sagte Bürgermeisterin Dagmar Püschel (Linke). Dadurch sei die Stadt als industrielles Herz Ostbrandenburgs gestärkt worden.

Die Kapazität der Papierfabrik liegt bei 600 000 Tonnen jährlich. Dafür hat die Progroup mit Hauptsitz im rheinland-pfälzischen Landau bisher rund 700 Millionen Euro investiert. Bund und Land förderten den Ausbau der Infrastruktur mit rund 34 Millionen Euro. Die Produktion läuft zu großen Teilen vollautomatisch. Beschäftigt sind derzeit rund 175 Menschen.

Die Energieversorgung des Unternehmens übernimmt ein eigenes Kraftwerk auf dem Gelände, das gemeinsam mit dem Stromversorger EnBW betrieben wird und sowohl Strom als auch heißen Dampf für die Papiermaschine liefert. (Von Ulrich Nettelstroth)


Vier große Fabriken:

Im Land Brandenburg machen sich vier große Papierfabriken Konkurrenz. Neben der Progroup in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) sind das die Fabrik Hamburger in Spremberg (Spree-Neiße) sowie Leipa und UPM in Schwedt (Uckermark).

Produziert wird in Brandenburg überwiegend Wellpappen-Rohpapier. Nur UPM stellt Zeitungsdruckpapier her. Die Papiererzeuger verarbeiten dafür ausschließlich Altpapier.

Die Papierbranche in Brandenburg beschäftigt in 32 Unternehmen insgesamt rund 3900 Menschen. Knapp die Hälfte des jährlichen Branchenumsatzes von 1,1 Milliarden Euro entfällt auf die vier großen Papiererzeuger. Bei den weiterverarbeitenden Unternehmen handelt es sich überwiegend um kleine und mittlere Betriebe. net



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