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15.09.2011

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POLIZEI: Scharfe Schilder

Gewerkschafter zeigen am toten Tier, wie gefährlich Namensplaketten für Beamte sein können

BERLIN - Bodo Pfalzgraf hat ein Eisbein mitgebracht. Das Schweinefleisch soll zeigen, wie brisant die in Berlin bereits umgesetzte und in Brandenburg beschlossene Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte wirklich ist. Pfalzgraf, der Berliner Landeschef der Polizeigewerkschaft DpolG, nimmt das „extrem scharfkantige“ schwarze Plastikschild, das ihm vor einem Monat ausgehändigt wurde, legt es an die Haxe und zieht einmal kräftig drüber. Das Eisbein hat nun einen Schlitz. Die Demonstration am toten Tier ist für Pfalzgraf ein Grund mehr, den Kampf gegen die Beamtenbeschilderung zu führen. Die Plastikteile könnten den Polizisten entrissen und als lebensbedrohliche Waffe eingesetzt werden, sagt er.

Ob auch die Brandenburger Polizisten, die ab 2013 Namensschilder tragen müssen, mit derartigem „Murks“ ausgestattet werden, ist noch offen. Aber hier wie dort wollen Gewerkschaften die ungeliebte Kennzeichnungspflicht juristisch bekämpfen. Es sind nicht nur die scharfen Kanten der Berliner Variante, welche die Polizisten in Rage bringen. „Die Zwangskennzeichnung ist ein gigantischer Misstrauensbeweis in unsere Polizei“, sagt Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft. Das Vertrauensverhältnis der Bürger in die Polizei sei hervorragend, die individuelle Kennzeichnung daher überflüssig. Er befürchtet, dass die Kollegen künftig zur Zielscheibe von Diffamierungen und Racheakten werden, die bis in das Privatleben hineinführen. Daher hat die Gewerkschaft eine Musterklage beim Verwaltungsgericht angestrengt.

Auch die Brandenburger Sektion der DpolG hat bereits ein Normenkontrollverfahren angekündigt. Es soll klären, ob die im Mai im Landtag beschlossene Schilderpflicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Beim Brandenburger Landesverband der Gewerkschaft der Polizei (GdP) arbeitet man ebenfalls an einer Musterklage. Landeschef Andreas Schuster sieht das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt. Doch ob dieser Ansatz die Richter überzeugen wird, ist fraglich. Die Datenschutzbeauftragte Dagmar Hartge hat keine Einwände erhoben.

Bei der dritten Standesvertretung, der Kripogewerkschaft BDK, will man die Gespräche mit dem Innenministerium abwarten. „Über eine Klage haben wir noch nicht nachgedacht“, sagt Sprecher Gerd-Christian Treutler. „Wir lehnen die Kennzeichnungspflicht aber ab, zumal sie sich auch auf Kriminalpolizisten beziehen soll.“

Rainer Wendt hält die Neuerung für „politisches Klimbim“, das ein „linkes Klientel“ befriedigen soll. Für Brandenburg, sagt er, gelte das mit der Klientelpolitik jedoch nicht ganz. Dort sei es „seltsamerweise“ die CDU gewesen, welche die „Zwangskennzeichnung“ im Landtag auf den Weg gebracht habe. Bundesweit lehnt die Union die Schilderpflicht ab. „Ganz offensichtlich wollte die CDU bloß die rot-rote Koalition spalten, was ihr aber nicht gelungen ist“, sagt Wendt. „Unfassbar, wie man sich so dilettantisch anstellen kann. Aber in Brandenburg gehen die Uhren offenbar etwas anders.“

Im Potsdamer Innenministerium verfolgt man die Einführung in Berlin mit Interesse, auch was die materielle Gestaltung der Namensschilder angeht. „Wir schauen natürlich, welche Probleme oder Problemchen sich ergeben und ziehen entsprechende Konsequenzen“, sagt Sprecher Geert Piorkowski. Derzeit steht die Umsetzung, also auch die Frage, welche Einheiten oder Gruppen ausgenommen werden, noch nicht auf der Tagesordnung.

Der Berliner Gewerkschafter Pfalzgraf fordert, die Plastikplaketten müssten sofort eingestampft werden. Im Dienstalltag haben die scharfen Schilder offenbar schon ihren Tribut verlangt: Einige Kollegen hätten sich beim Anschnallen im Auto an den Kanten in den Arm geritzt. (Von Torsten Gellner)


Seit vier Wochen mit Namensschild:

Die 13 000 Polizisten in Berlin wurden im Sommer mit Namensschildern ausgestattet. Die Beamten können wählen, ob sie ihren Dienst mit einem Namen oder einer Nummer an der Brust verrichten. Die Anschaffungskosten der Plastikplaketten betragen 213 000 Euro.

Brandenburgs Ordnungshüter sollen ab 1. Januar 2013 grundsätzlich ein Namensschild tragen. Ausgenommen sind geschlossene Einheiten oder Zivilfahnder. Weitere Details der Umsetzung will das Innenministerium mit den Gewerkschaften klären.

Die Gewerkschaften GdP und DPolG gehen in beiden Ländern juristisch gegen die Kennzeichnung vor. Sie sehen das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt. Die Kripogewerkschaft BDK will vorerst nicht klagen.

Die Bundesregierung lehnt Namens- oder Nummernschilder für die mehr als 30 000 Bundespolizisten ab. gel



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In diesem Forum gibt es 3 Einträge

» quereinsteiger | 15.09.2011, 11:03

Namensschilder


Da geht der Gewerkschaft aber spät ein Licht auf, was mögliche Utensilien an oder in den Uniformen von Ploizeibeamten betrifft, die Verletzungen hervorrufen könnten! Wie wäre es mit einem Kugelschreiber in der Brusttasche, raus gezogen und in Hals oder Augen gestochen -- also weg damit! Womit aber dann Knöllchen schreiben"? Man kann es auch übertreiben. Übrigens sind dann Brillenträger ebenfalls für den Dienst untauglich, schließlich könnte man mit Scherben des Brillenglases auch schwere Verletzungen zufügen.

» schwarzeruhu | 16.09.2011, 09:42

fadenscheiniger Schwachsinn


Gewaltstraftaten von Polizisten besonders im Kontext von Großeinsätzen sind in Zeiten von Fotohandies und Miniacmcordern inzwischen so häufig, daß selbst dei Brandenburger CDU einsieht, daß hier etwas geschehen muß.
Spätestens seit den Polizeiausfällen beim G8 Gipfel in Heiligendamm sieht das auch ein guter Teil der Bevölkerung jenseits linker Splittergruppen so.
Ich verstehe nicht, warum was für Verkäufer, Vertreter, Messebesucher und Soldaten normal ist, für Polizisten so schrecklich unzumutbar sein soll. Hier kommt der Verdacht auf, man wolle weiter im Schatten der Uniform-anonymität straffrei bleiben. Warum?

» waschi | 16.09.2011, 12:25

Namensschilder


Wenn es um die Verletzungsgefahr geht:
Da gibt es seit ca. 20 Jahren eine Lösung. Klettband, auf der Uniform die flauschige Seite an entsprechender Stelle fest angenäht, das Namensschild aus Stoff mit den Plastikstacheln auf der Rückseite draufgepappt und gut ist es! So macht es jedenfalls die Bundeswehr.

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