REETZ - Tanzen, lachen, fröhlich sein – so lautet die Lebensmaxime von Ilse Fleischhauer. Die in Reetz lebende 82-Jährige ist fast blind und liebt es dennoch, in Begleitung ihrer Töchter zum Tanzen zu gehen oder in der Küche zwischen dem Kartoffelschälen einige Gymnastikübungen zu absolvieren. Mit dem Schicksal zu hadern, kommt für sie nicht in Frage.
Bereits in ihrer Kindheit haben Ärzte bei ihr Kurzsichtigkeit diagnostiziert. „Mein Lehrer hat in der Schule gemerkt, dass ich nicht mehr richtig lesen konnte“, erzählt die Seniorin. Bald darauf erhielt sie ihre erste Brille. Im Verlauf der Jahre wurde die Sehkraft der Augen immer geringer und die Brillengläser dicker. Bis zu minus 30 Dioptrien stark.
Die Kurzsichtigkeit, erblich bedingt, bekam Ilse Fleischhauer von ihrer Mutter in die Wiege gelegt. Und es blieb nicht beim unscharfen Sehen in der Ferne. Folgeprobleme, der Graue Star und eine zunehmende Netzhautablösung die zur Erblindung eines Auges führte, kamen hinzu. Neue Therapien konnten die Sehkraft der 82-Jährigen auf einem Auge wieder verbessern, so dass durch die operative Behandlung des Grauen Stars die Welt um sie herum wieder bunter wurde – vorübergehend. Mit lachendem Gesicht erzählt sie von den „neuen“ Wahrnehmungen, und dass die Wohnung nach der Ankunft aus dem Krankenhaus einer farblichen Verjüngungskur unterzogen wurde. Von diesen Erinnerungen zehrt die Ruheständlerin, die mittlerweile nur noch eine Sehkraft von weniger als drei Prozent auf einem Auge hat.
Trotz der massiven Beeinträchtigung führt sie fast selbstständig ihren Haushalt. Tassen, Teller und Schalen haben ihren Platz. Ihre Kinder wissen, dass die Schrankordnung niemals durcheinander gebracht werden darf. Ansonsten gibt es Scherben.
Sogar den kleinen Einkauf im Wohnort erledigt Ilse Fleischhauer noch immer allein. „Die Verkäuferinnen sind immer sehr freundlich und helfen mir“, berichtet die Seniorin. Ihr Weg in das Lebensmittelgeschäft des 600-Einwohner-Dorfes nötigt Respekt ab. Nur mit ihrem weißen Stock in der Hand überwindet sie Türschwellen und Bordsteinkanten, Kopfsteinpflaster und Unebenheiten. Und erst die Straße. „Ich bleibe solange stehen, bis ich kein Auto mehr höre“, erklärt Ilse Fleischhauer. Manchmal muss sie lange darauf warten.
Die fehlende Sehkraft hat ihre Sinne geschärft, das Gedächtnis trainiert. „Ich gehe noch jeden Tag spazieren“, fügt sie lächelnd hinzu und erklärt, auf dem Gehweg vor dem Haus jeden Stein zu kennen.
An Hilfsmitteln, die ihr den Alltag erleichtern, gönnt sich Ilse Fleischhauer ohnehin nur eine sprechende Uhr und eine das Gewicht mitteilende Personenwaage. Ein durchaus wichtiger Begleiter in ihrem Alltag ist, seitdem sie nicht mehr lesen kann, das Fernsehgerät geworden. Wenn der „Sturm der Liebe“ nachmittags über den Bildschirm braust, macht es sich Ilse Fleischhauer in ihrem Sessel bequem. Das Schmunzeln ihres Gegenübers erahnend sagt sie: „Manchmal sehen Blinde mehr als Sehende“. (Von Bärbel Kraemer)
„Junge sind öfter kurzsichtig“
Mit der Bad Belziger Augenärztin Silke Westphal sprach Bärbel Kraemer über häufige Erkrankungen.
MAZ: Wann sollte der Weg zum Augenarzt nicht mehr länger hinausgeschoben werden?
Silke Westphal: Bei plötzlichem Sehverlust eines Auges oder langsamer Sehverlust beider Augen.
Kurz- oder Weitsichtigkeit betrifft viele Menschen. Welche Erkrankung ist häufiger?
Westphal: Junge Leute sind öfter kurzsichtig, im Alter überwiegt Weitsichtigkeit.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei der fortschreitenden Kurzsichtigkeit, in deren Folge es zu Netzhautablösungen kommen kann?
Westphal: Da gibt es keine Behandlungsmöglichkeit, nur die regelmäßige Kontrolle beim Augenarzt.
Kann man Folgeerkrankungen wie der Netzhautablösung und dem Grauen Star vorbeugen?
Westphal: Nein.
Sind Frauen oder Männer häufiger von hochgradiger Kurzsichtigkeit betroffen?
Westphal: Da gibt es keinen nennenswerten Unterschied.
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
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