KÖNIGS WUSTERHAUSEN - Einen Rucksack geschultert und die Wanderstiefel fest geschnürt – so stand Thomas Cramer am Sonnabend Punkt 15 Uhr am Bahnhof Königs Wusterhausen. Der Mit-Vierziger war extra aus Dresden gekommen, um am 2. Wandertreffen der Tourentaler-Sammler teilzunehmen. „Allerdings per Bahn, nicht per pedes. Das war mir zum Wandern doch zu weit“, lachte der Sachse. Mit ihm erkundeten am Wochenende mehr als 20 Wanderer aus ganz Deutschland und Tschechien die Gegend in und um Königs Wusterhausen.
„Aber natürlich sind wir auch da, um die Tourentaler einzuheimsen“, so David Holz, der mit Mutter Constanze aus Berlin gekommen war. Die Holzscheiben mit einem Sechs-Zentimeter-Durchmesser seien Souvenir, Besuchsbeleg und Sammelobjekt zugleich. Ausgehändigt würden sie nur an den, der das auf den Holzplättchen aufgedruckte Wanderziel auch tatsächlich erreicht. „Für mich persönlich ist es auch Ansporn, Deutschland, aber auch unser Nachbarland Tschechien zu entdecken“, sagt Holz. Darf es nicht mal Mallorca, Capri oder Paris sein? „Nein, nicht unbedingt“, stellt Sohn David klar. Die Heimat sei zu schön, um woanders Urlaub zu machen. Thomas Cramer hat bereits 3500 Taler erwandert. Seit 25 Jahren ist er auf Schusters Rappen unterwegs, seit acht Jahren sammelt er dabei Holztaler. „Ich bin schon als Kind bei Wind und Wetter mit meinem Opa losmarschiert“, so Cramer. Heute wandert er auch mal direkt nach der Arbeit los, um die kommende Nacht allein im Wald zu verbringen. Angst vor gruseligen Geräuschen oder Wildschweinen kenne er nicht: „Ach i wo, einen echten Naturburschen haut das nicht um.“ Erst vor ein paar Wochen besuchte er Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald (Bayern). Zuvor kraxelte er über die Schwäbische Alb.
Wanderchef Andreas Peters, der hier in der Region in der Tourentaler-Bewegung aktiv ist, lud dieses Mal zur Wanderung hier ein. Genau genommen, handelte es sich allerdings eher um einen Rundgang, wie Peters auf Nachfrage einräumt. Vom Bahnhof aus ging es zu Schloss, Kreuzkirche, auf den Funkerberg, später dann wieder zurück. „In der Turmgaststätte kehren wir ein. Von oben haben wir einen besseren Überblick.“ Einige Besucher wollten über Nacht bleiben, um die Region am Sonntag weiter zu erkunden. Die Gäste, darunter vier Wanderburschen aus Tschechien, staunten nicht schlecht, als sie von Königs Wusterhausen als „Wiege des deutschen Rundfunks“ hörten. Dass hier Friedrich Wilhelm I. zu seinen Lebzeiten jeden Herbst in einem Jagdschloss residierte, wussten viele noch nicht. Das sei ein Anliegen der Tourentaler-Bewegung: Regionen bekannt zu machen, erklärt Andreas Peters. Das diesjährige Jahrestreffen organisierte er auf eigenen Vorschlag in Königs Wusterhausen. „Ich bin selbst Schulzendorfer. Was liegt da näher, als sich Königs Wusterhausen als Tourenziel auszugucken“, schmunzelt der Wandersmann. Das erste Treffen der Taler-Fans fand seinen Informationen nach im Vorjahr in Bad Schandau (Sächsische Schweiz) statt. Ihn selbst habe seine Frau überredet, mitzumachen. „Heute möchte ich das nicht mehr missen“, sagt Andreas Peters.
Dann machen Touren-Taler die Runde. Zu sehen sind Motive von Zittau in der Oberlausitz, vom Lichtenhainer Wasserfall in der Sächsischen Schweiz, aus Nürnberg, vom Nebelhorn – und natürlich aus Königs Wusterhausen. (Von Jens Rümmler)