POTSDAM / INNENSTADT - Neue Räume hat die Galerie des Kunsthauses „Sans titre“ in der Französischen Straße gewonnen. Man muss keine steilen Stufen mehr zum Olymp der Kunst hinauf steigen. Ein großer heller Raum im Erdgeschoss ist zum Ausstellungsraum geworden. Premiere ist mit Malereien des polnischen Künstlers Jacek Sztuka und des in der Galerie heimischen Mikos Meininger, beide sind Mitglieder des Künstlerverbandes. Figuratives bei Sztuka trifft auf Non-Figuratives bei Meininger.
Jacek Sztuka ist ein brillanter Realist, zu erleben besonders in seinen Porträts, die in Potsdam noch nicht zu sehen waren, sieht man von einem fragmentarischen Selbstporträt ab. Sein Realismus ist bedrängend. In den gezeigten Arbeiten bei „Sans titre“ wirkt er geradezu bedrohlich. In perfekt gemaltem, malerisch delikat ins Bild gesetztem Autoschrott klemmen Fleischbrocken, die einstmals Hühner waren. Assoziationen zu Unfallautos und vergessenen menschlichen Resten weist man vehement von sich, kann sie aber nicht so recht verdrängen. Man akzeptiert, dass diese fotorealistischen Schrottorgien einer Verfremdung, eines Kontrastes bedürfen. Sztuka entschied sich – sicherlich auch aus malerischen Überlegungen – für Hühnchenfleisch.
Mikos Meiningers nonfigurative Malereien in ihrer interpretatorischen Offenheit sind dagegen eine mentale Erholung. Seine Arbeiten sind Suche nach unentdeckten Welten. Man hat vor seinen einerseits in den Farbklängen sehr disziplinierten, in der Komposition extrem explosiven Arbeiten den Eindruck, Meininger suche und hoffe auf Offenbarung im Prozess der Arbeit. Da wirkt nichts erstarrt, da ist nichts fertiggemalt. Die Malgestik prägt die Form.
Diese Suche ist auch Motiv der Bilder, wie es die Bildunterschriften andeuten. Eingangsbild ist die „Tiefsee“. Was schlummert da in der Tiefe, aus dem eingefangenes Licht bricht? Was bricht da aus der Haut eines unbestimmten schwarzen Körpers, sei’s Mensch, sei’s Tier? Das alles sind gewollte Formen, ausgeführt in flächigem, balkenartigem Formgefüge, aus dem es heraus spritzt. Diese pulsierende Farbhaut ist charakteristisch für Meiningers Malerei.
Viele entspringen aber auch dem gesteuerten Zufall, schaffen surreale Fragmente im Formgefüge eines Bildes wie jenes „Wie das Herz schlägt in mir“!
Mikos Meininger ist ein vehementer Vertreter einer „abstrakten Malerei“. „Diese realistische Bilderflut, die uns in allen Medien überschwemmt, erschlägt uns, wird uns letztlich unerträglich werden. Das abstrakte Bild hat für mich einen größeren Wert als ein realistisches Bild. Ein abstraktes Bild – das ist ein Stück Wahrheit, und es ist ein Stück Glauben.“
Französische Straße 18, bis zum 30. Oktober, Do.–So. 14–18 Uhr, 0172/394 20 39. (Von Arno Neumann)
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
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