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16.11.2011

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Umweltenergie: Kliniken kippen Windpark-Plan

Beelitz will Abstand zwischen Windrädern und Krankenhäusern in Heilstätten neu prüfen

POTSDAM-LAND - Ihren Entwurf eines Teilflächennutzungsplanes „Flächen für Windenergie“ hat die Stadtverwaltung Beelitz vorerst zurückgezogen. Ursprünglich sollten die Stadtverordneten am Montag darüber beschließen. Mit „Medizinischen Aspekten zur Errichtung von Windkraftanlagen in Beelitz-Heilstätten“ hatten sich die leitenden Ärzte der Recura-Kliniken an das Potsdamer Planungsbüro PAN gewandt, das den Plan erarbeitet hat. Die Mediziner warnen vor den Auswirkungen auf die jährlich mehr als 2500 stationären und 740 ambulanten Patienten, sollte der Windpark wie beabsichtigt errichtet werden. Nun will die Stadtverwaltung den Abstand zwischen den Windrädern und den Kliniken „noch einmal überdenken“, das Thema erneut in den Fachausschüssen diskutieren lassen und sich den Rat von Experten einholen. Dies kündigte Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis) in der Stadtverordnetenversammlung an.

Nach dem Entwurf soll dieser Mindestabstand 1400 Meter betragen. Fichtenwaldes Ortsvorsteher Tilo Köhn (Unabhängiges Kommunalbündnis) hatte zur Sitzung in Abstimmung mit seinem Ortsbeirat einen Vorschlag an die Stadtverordneten vorbereitet, die Distanz auf 3000 Meter zu erweitern. Auf einer städtischen Waldfläche zwischen Beelitz-Heilstätten und Fichtenwalde sollen auf rund 350 Hektar bis zu 25 Turbinen mit einem Abstand von etwa 500 Metern untereinander aufgestellt werden (MAZ berichtete).

Für die Parkinsonpatienten beispielsweise sind neue, unbekannte Reize, die von ihnen nicht beeinflusst werden können, besonders problematisch, sagen die Fachärzte. Darum würden solche Faktoren wie Infraschall, Schattenwurf und Stroboskopeffekte, die durch die Rotoren auftreten, stressverstärkend auf die Patienten einwirken. Eine Umfrage unter diesen sowie unter Angehörigen und Besuchern habe ergeben, dass die Mehrheit im Falle eines nahen Windparks sich anderweitig orientieren und sogar weite Wege in Kauf nehmen würde. Die Klinikchefs weisen darauf hin, dass bei der heutigen Krankenhausfinanzierung ein Verlust von bereits fünf bis zehn Prozent der Patienten die Kliniken in ihrer Existenz gefährden.

Kritik am Planungsentwurf kommt auch aus Fichtenwalde. Ein Sprecher der Bürgerinitiative „Natürlich gegen Lärm“ monierte in der Sitzung am Montag, dass die Flächen der „Wittbrietzener Feldflur“ nicht als Eignungsgebiet für Windkraftanlagen untersucht worden seien, obwohl die Regionale Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming auch das Gebiet zwischen Wittbrietzen und Elsholz zum Vorranggebiet erklärt hat. Das Planungsbüro stuft diese Flächen in seinem Entwurf als Tabubereich ein, weil die Stadt Beelitz darauf drängt, die Flächen unter den Landschaftsschutz stellen zu lassen. Das geht aus dem Brief eines Bauamtsmitarbeiters an die Abteilung Naturschutz im Umweltministerium hervor. „Die Stadt Beelitz ist dringend daran interessiert, das Verfahren voranzubringen“, heißt es darin. Bürgermeister Knuth begründete am Montag die erhoffte „Beschleunigung“ lediglich mit dem Wunsch, „ein Ergebnis zu bekommen“.

Wie angespannt das Verhältnis zwischen Befürwortern und Gegnern des Windparks ist, belegt ein Vorfall in Fichtenwalde. Dort wurde einem Mitglied der Bürgerinitiative „Natürlich gegen Lärm“ der Garten voll Müll gekippt. „Wir sind nicht gegen die Windräder. Wir sind aber gegen das Abholzen des Waldes und wollen ihn als natürlichen Lärmschutz gegen die Belastungen der Autobahn erhalten“, sagte eine Vertreterin. Die Bürgerinitiative will eine Petition an den Landtag richten. Die Landesverbände des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) und des BUND wollten dies unterstützen, sagte die BI-Sprecherin.

In der Bürgerfragestunde am Montag erkundigte sich eine Fichtenwalderin, ob Knuth das Thema Windenergie schon mit seinem Amtskollegen Werner Große (CDU) in Werder besprochen habe. Beelitz und Werder bilden ein gemeinsames Mittelzentrum. Bei Glindow und Bliesendorf sind ebenfalls Windenergieanlagen geplant. „Das Thema ist politisch brisant“, wich Knuth einer Antwort aus.

In Glindow dagegen spricht Ortsvorsteher Sigmar Wilhelm (AFB) Klartext: „Ich bin nicht gegen alternative Energiequellen, lehne aber viele und bis zu 200 Meter hohe Windräder innerhalb des Berliner Autobahnrings ab.“ Es müssten andere Standorte gefunden werden, die nicht so dicht besiedelt sind und die Kulturlandschaft verschonen. (Von Regine Greiner und Heinz Helwig)


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