RÄDIGKE - Als Anwohner Erwin Scholz es vorgestern Nacht gegen 23 Uhr draußen knistern hörte, standen die Abfallberge der ehemaligen Fläming-Sortieranlage in Neuendorf bereits lichterloh in Flammen. Sein Notruf löste einen der größten Feuerwehreinsätze im Landkreis Potsdam-Mittelmark aus. Dutzende Lösch- sowie Spezialfahrzeuge, Drehleitern und im ersten Schub bis zu 180 Kameraden steuerten das gut 16 000 Quadratmeter große Areal an. Zudem rückten die Katastrophenschutzeinheit Potsdam-Mittelmark, diverse Versorger und gestern Vormittag auch die Brandschutzeinheit des Landkreises Teltow-Fläming an. Ein Feuerwehrfahrzeug des Flughafens Berlin-Schönefeld brachte Grundmaterial für Löschschaum.
Besorgte Blicke der Einsatzleitung gingen immer wieder zu den aufsteigenden, dicken Rauchwolken. Sie beeinträchtigten nicht allein die Arbeit der Kameraden vor Ort, sondern auch den Verkehr auf der Autobahn 9 und die Luftqualität in Neuendorf und Rädigke. Einwohner wurden frühzeitig gewarnt, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Ein ABC-Erkundungsfahrzeug war mit Blick auf die Gesundheit der Kameraden zur Schadstoffermittlung angerückt, hat aber keine toxischen Belastungen festgestellt, hieß es vor Ort. Auch Experten des Landesumweltamtes Brandenburg bestätigten die Messergebnisse, informierte Niemegks Amtsdirektor Thomas Hemmerling später. Sogenannte Aerosole wie zum Beispiel Russpartikel waren in einer Entfernung von 300 Metern schon nicht mehr nachweisbar. Daher gäbe es keine akute gesundheitlichen Gefahren für die Menschen in der Umgebung.
Anlass zur Besorgnis bestand genug. Denn der ehemalige Anlagenbetreiber, Andreas Beiler, hatte in den 1990er-Jahren die ehemalige Kartoffelsortierhalle samt Freiflächen mit unsortierten Abfall vollkippen lassen – bis zu fünf Meter hoch. Bauschutt, Folien, Kunststoffe, Reifen, Pappe und anderes mehr lagerten dort, bis sie jetzt in Flammen aufgingen.
Die Löscharbeiten wurden erschwert, weil die brennenden Abfallberge nur schwer zugänglich waren. Rettungsschneisen, wie sie längst in einem Brandschutzgutachten gefordert wurden, fehlten komplett. Somit blieb der Feuerwehr nur, die Flammen von oben zu bekämpfen. Dabei kamen Drehleitern und Hublöschfahrzeuge zum Einsatz.
Schon während der Löscharbeiten haben die Verantwortlichen diskutiert, wer die zweifellos enormen Kosten des Einsatzes tragen wird. Darauf gab es freilich noch keine Antwort. Der Eigentümer des Geländes, Hartz-IV-Empfänger Maik Neufeld aus Halle/Saale, war gestern nicht erreichbar. Die Löscharbeiten sollen voraussichtlich auch heute noch andauern. (Von Gunnar Neubert)
„Ich habe immer gewarnt“
Einst mit der Gefahrenabwehr auf der Fläming-Sortieranlage in Neuendorf befasst, war Niemegks Ex-Amtsdirektor Günter Rockel. Mit ihm sprach Gunnar Neubert.
MAZ: Nun ist passiert, was lange Zeit befürchtet worden ist . . .
Günter Rockel: Ich habe bis zum Ende meiner Dienstzeit im April 2009 immer wieder vor solch einem Ereignis gewarnt. Dass sich meine Prophezeiung erfüllt hat, ist ausschließlich traurig. Es war schon lange Gefahr im Verzug. Die Erkenntnis basierte auf Untersuchungen von Brandschutzexperten, die Auflagen erteilt hatten.
Doch Anlagenbetreiber Andreas Beiler war pleite und für eine amtliche Ersatzvornahme kein Geld da.
Welche Lösungsvorschläge haben Sie unterbreitet?
Rockel: Gemeinsam mit der Abfallwirtschaft Potsdam-Mittelmark (APM) war ein Konzept zur Entsorgung entwickelt worden, für das die Finanzierung noch fehlte. Zuvor hätte der Eigentümer Andreas Beiler zustimmen müssen. Stattdessen ließ dieser über einen Rechtsanwalt wissen, dass es sich nicht um Abfälle handele, sondern um Wertstoffe. Daher forderte er sogar Geld.
Die Pleite des Eigentümers, dessen Insolvenzverfahren mangels Masse eingestellt worden ist, wäre doch eine Chance gewesen . . .
Rockel: Die Gemeinde Rädigke, heute Rabenstein/Fläming, hätte auf dem Wege eines Zwangsversteigerungsverfahrens in den Besitz des Grundstücks kommen und die Entsorgung der Abfallberge organisieren können. Doch die Kostenübernahme blieb eine ewige Streitfrage zwischen kommunaler Ebene und Landesregierung Brandenburg. So ist der vor Ort bestehende Wille zur Problemlösung gebremst worden.
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
» weiter