Voestalpine BWG in Kirchmöser will am bestehenden Standort an der Uferstraße ein Dienstleistungszentrum Weichenschleifen bauen. Damit will das Unternehmen einen Stützpunkt für das maschinelle Schleifen von Weichen und Gleisen in Deutschland etablieren, berichtete gestern beim ersten Spatenstich Günter Neureiter, Sprecher der Geschäftsführung.
Bis Sommer 2012 soll die Halle bezugsfertig sein, dann werden zusätzlich zwei moderne Schleifzüge stationiert. Unter Führung der Voestalpine BWG werden die Züge in Deutschland im Auftrag der Deutschen Bahn eingesetzt. Die Gleis- und Weichenschleifmaschinen arbeiten zudem auf dem europäischen Schienennetz sowie in Amerika und Asien.
Der nächste Schleifzug ist gerade in den USA in Arbeit, er soll im Januar nach Deutschland verschifft werden, berichtet Ralf-Peter Seidenkranz, der Leiter „Weichenstellen“. Später werden die Züge in Kirchmöser stationiert. Im Weichenschleifen bescheinigt sich Voestalpine BWG, inzwischen führend in Deutschland zu sein.
Mit dem Ausbau des Service-Angebots erweitern die Weichenbauer in Kirchmöser das eigene Geschäftsfeld. Geschäftsführer Neureiter spricht von „einer wichtigen strategischen Entscheidung für die Zukunft“, die mit der Sicherung von Langzeitarbeitsplätzen verbunden sei und Mitte des nächsten Jahres zwanzig neue Arbeitsplätze bedeute.
Mit Hilfe der Schleifzüge, die fortan in Kirchmöser mitentwickelt und gewartet werden, lassen sich Gleise und Weichen direkt auf den Bahnstrecken instand setzen. Denn das Material ist anfällig für feine Beschädigungen, die der Fachmann „Head Checks“ nennt.
Höhere Geschwindigkeiten im Schienenverkehr erfordern höhere Sicherheitsstandards. Die „Anti-Head-Check-Strategie“ der Deutschen Bahn Netz AG sieht vor, dass pro Jahr mindestens 20 000 Streckenkilometer zu bearbeiten sind – 12 000 Kilometer mehr als ursprünglich geplant.
Die Deutsche Bahn hat sich selbst auf dem Weichenwerk-Gelände engagiert. Denn das frühere Reichsbahnareal, also die ehemalige Frästaktstraße der DR Weichenwerk Brandenburg, war stark mit Schadstoffen belastet. Die Deutsche Bahn und das Weichenwerk haben den Grund und Boden für den Hallenbau zunächst saniert. Der Voestalpine-Konzern investiert den Angaben zufolge 15 Millionen Euro am Standort.
Gefeiert wurde auch, dass der Industriestandort Kirchmöser mit dem gestrigen Tag zum Efre-Projekt des Monats wurde. Denn Kirchmöser habe sich zu einem international beachteten Industriestandort der Bahntechnik entwickelt. Aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) sind 36 Millionen Euro nach Kirchmöser geflossen. Darauf wies Wirtschaftsstaatssekretär Henning Heidemanns hin. (Von Jürgen Lauterbach)
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