BERLIN - Spitzenreiter bei den Mieten im Land Brandenburg ist Teltow (Potsdam-Mittelmark). Und eben nicht die Landeshauptstadt Potsdam, wie die „landläufige Vermutung“ lauten könnte, erklärte gestern Maren Kern, Vorstandsmitglied des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Bei den Mitgliedsunternehmen zahlten die Teltower im vergangenen Jahr durchschnittlich 5,46 Euro pro Quadratmeter ihrer Mietwohnung. In Potsdam lag der Quadratmeterpreis bei 5,01 Euro. Das bedeutet Platz vier in der märkischen Rangliste. Die Nettokaltmieten in Wildau (Dahme-Spreewald) und Falkensee (Havelland) waren noch etwas höher als in der Landeshauptstadt. Am niedrigsten sind die Mieten in Jüterbog (Teltow-Fläming) und Pritzwalk (Prignitz) mit Quadratmeterpreisen von deutlich unter vier Euro (s. Grafik).
Für seinen aktuellen Marktmonitor hat der BBU, dessen Mitgliedsunternehmen rund 50 Prozent der märkischen Mietwohnungen bewirtschaften, insgesamt 900 000 Bestands- sowie Neuvertragsmieten in Brandenburg und Berlin ausgewertet. Gestern wurden die Ergebnisse in Berlin vorgestellt.
Danach lag 2010 die Durchschnittsmiete in Brandenburg bei 4,41 Euro je Quadratmeter. Vor Jahresfrist waren es 4,35 Euro. Vorstand Kern spricht von stabilen Mieten. Die nur geringen Steigerungen seien vorteilhaft für die Mieter, würden jedoch die Investitionskraft der Wohnungsunternehmen einschränken.
Rainer Radloff, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes vom Deutschen Mieterbund, mahnt indes zur Vorsicht beim Umgang mit Durchschnittswerten. „Wer wohnt schon in einer Durchschnittswohnung?“, fragt Radloff. Es sei bekannt, dass es in Potsdam auch relativ teure Wohnungen gebe. Zur Landeshauptstadt würden allerdings ebenso einige Bestände an unsanierten Plattenbauten in den Eingemeindungen gehören. Das drückt den Durchschnittspreis. In Teltow würden sich dagegen viele Wohnungen auf relativ kleinem Platz konzentrieren. Der märkische Wohnungsmarkt ist Radloff zufolge sehr differenziert. So gebe es in entfernten Regionen „sehr preiswerte Wohnungen.“
Die Daten des BBU machen eine Zweiteilung des Wohnungsmarktes in Brandenburg deutlich. Im Speckgürtel werden im Schnitt 4,84 Euro je Quadratmeter verlangt. Weiter außerhalb liegen die Mieten bei 4,21 Euro pro Quadratmeter. Deutlich teurer wird es beim Abschluss neuer Mietverträge. Dann sind im Speckgürtel 5,25 Euro zu berappen, außerhalb des Berliner Umlandes sind es im Durchschnitt immerhin noch 4,55 Euro je Quadratmeter.
Sorgen bereitet den Wohnungsunternehmen die demografische Entwicklung in Brandenburg. Während die Einwohnerzahlen in Teltow, Falkensee und Potsdam bis zum Jahr 2030 mit kräftigen zweistelligen Raten wachsen werden, verlieren die Prignitz, Uckermark und auch Spree-Neiße bis dahin knapp 27 Prozent ihrer Bevölkerung. In den entfernten Regionen würde weiterhin der Abriss überzähliger Wohnung nötig sein, betonte BBU-Vorstand Kern. Nach Verbandseinschätzung ist es „wichtig, dass es mit dem Stadtumbauprozess jetzt konsequent weitergeht“. (Von Ute Sommer)