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10.12.2011

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KOMMUNIKATION: LTE-Internet aus der Luft gegriffen

Telekom betreibt modernstes Funknetz, aber Gebiet um Cumlosen ist bereits kabelversorgt

CUMLOSEN - Lange Zeit gab es schnelles Internet auf dem Land gar nicht, aber seit kurzem scheinen sich die Anbieter geradezu zu überschlagen, um die Bürger „ans Netz“ zu bringen. So wie in Cumlosen. Die Deutsche Telekom verkündete vor einiger Zeit stolz, „Wittenberge bekommt DSL, das mit Funk funktioniert.“ Gemeint war dann allerdings weniger die Stadt Wittenberge als viel mehr die Elbdörfer, wobei in der ersten Mitteilung vom September namentlich von Cumlosen und Lanz die Rede ist.

Eine Online-Verfügbarkeitsprüfung sorgt jedoch für Ernüchterung: Um die neue Technik einigermaßen kostengünstig nutzen zu können, ist – zumindest bei der Telekom – ein spezieller Tarif namens „Call & Surf Comfort via Funk“ erforderlich. Allerdings ergibt die Verfügbarkeitsprüfung für Lanz, Cumlosen, aber auch die Ortsteile wie Motrich oder Wentdorf folgendes: „An Ihrem Standort ist DSL verfügbar, daher können wir Ihnen Call & Surf Comfort via Funk nicht bereitstellen.“ Wozu also dann der Aufwand mit der LTE-Versorgung?

Telekom-Pressesprecher Georg von Wagner teilt auf MAZ-Anfrage mit: „LTE ist grundsätzlich im Mobilfunknetz der DTAG überall nutzbar, wo es eingeschaltet ist. Wir bieten den Kunden, die nicht über Festnetz-DSL mit einer Geschwindigkeit größer/gleich 2 Mbit/s angeschlossen sind, das DSL-Produkt ’Call und Surf via Funk’, das über LTE und UMTS angeboten wird, an. Für alle anderen Kunden ist LTE ein ganz normaler Mobilfunkdienst, der mit Mobilfunktarifen und entsprechendem Equipment nutzbar ist. Der Standort Cumlosen versorgt die Bereiche Cumlosen, Motrich, Wentdorf und Müggendorf.“

Soweit so klar, doch warum die Telekom in einem mittlerweile gut ausgebauten Gebiet ins LTE-Netz investiert, bleibt ihr Geheimnis. Denn um LTE als Standard für die Telefonie zu nutzen, fehlen bisher größtenteils noch die Endgeräte, und als Zugangsweg zum Internet ist es zumindest im Cumlosener Gebiet nicht nur überflüssig, sondern wird gar nicht angeboten, jedenfalls nicht von der Telekom.

Unterdessen geht der (erdgebundene) Anschluss der Elbdörfer südlich von Wittenberge voran. In dieser Woche trieben Mitarbeiter der Firma Havelland Tiefbau die ersten Leerrohre für die künftige DSL-Verkabelung aus Kloster Lehnin bei Brandenburg neben der Verbindungsstraße von Hinzdorf nach Garsedow in die Erde. Mit einem horizontal gesteuerten Bohrgerät wird im Abstand von 110 bis 120 Metern der Boden bereitet für das Kunstoff-Leerrohr, das die Telekomleitungen aufnehmen soll. Bohrführer Torsten Wöhler und Maschinist Frank Lehmann hoffen, möglichst weit zu kommen, bevor der erste Frost einbricht. „Bei drei Grad minus wird’s für uns kritisch“, sagt Torsten Wöhler. Bis Mai 2012 sollen die über 500 Haushalte in den Elbdörfern schnellen Internetzugang besitzen und zwar auf herkömmliche Art bereitgestellt – also kabelgebunden.

„Kann sein, dass es in der Planung manchmal Überschneidungen gibt“, räumte Telekom-Sprecher Jürgen Will ein. Möglicherweise wurde der LTE-Ausbau für Cumlosen nach einer Liste der unterversorgten Gemeinden vorgenommen, die von der Bundesnetzagentur zusammengestellt wurde. Danach litten die Gemeinde und ihre Ortsteile vor zwei Jahren noch an Breitband-Unterversorgung. Bürgermeister Harald Pohle jedenfalls zeigte sich froh, mit der Telekom vor zwei Jahren handelseinig geworden zu sein. „Die wollten mindestens 130 Haushalte, und nachher waren es über 140“, sagt das Gemeindeoberhaupt.

Für die Schlusspointe der Geschichte sorgt übrigens wie so oft der Wettbewerb. Es gibt in Cumlosen doch „schnelles Internet, das über Funk funktioniert“. Allerdings nicht vom Bonner Konzern mit dem roten T als Logo. Die Verfügbarkeitsprüfung bei der Konkurrenz endet mit einer Verheißung: „Herzlichen Glückwunsch! Vodafone LTE Zuhause ist bei Ihnen verfügbar.“ Die Onlineprüfung klappt auch prima, denn DSL liegt ja bereits an. (Von Andreas König)


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