POTSDAM - Brandenburgs CDU-Fraktion fordert nach dem Fund des toten Babys in Potsdam erneut die Einrichtung einer zentralen Kinderschutzhotline. In anderen Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern gebe es so eine landesweite Nummer längst. „Nur in Brandenburg stoßen wir damit immer wieder auf Granit“, sagte die Kinderschutzbeauftragte der CDU-Fraktion, Beate Blechinger, gestern der MAZ.
In einem gemeinsamen Antrag mit den Grünen hatte die CDU bereits 2009 und nun auch bei den jüngsten Haushaltsverhandlungen erfolglos eine einheitliche, prominent beworbene Nummer gefordert, bei der Verdachtsfälle auf Kindesvernachlässigung oder verdrängte Schwangerschaften anonym gemeldet werden können. Es gehe nicht darum, Betroffene zu denunzieren, sondern sich auf einfachem Wege Rat zu holen, wie in so einem Fall reagiert und wo weitergehende Hilfe eingeholt werden kann, erklärte Blechinger. Gerade für ländliche Regionen, in denen es kein dichtes Netz an Beratungsstellen gibt, sei so eine Hotline sinnvoll. Zudem müsste nach Ansicht von Blechinger in den Schulen mehr über Hilfs- und Beratungsangebote für Schwangere aufgeklärt werden. „Tragische Fälle wie der in Potsdam lassen sich höchstens durch mehr Aufmerksamkeit im Umfeld verhindern“, so Blechinger.
Mehr Babyklappen oder mehr Möglichkeiten zur anonymen Geburt in Kliniken anzubieten, hält die CDU-Abgeordnete hingegen für ein Flächenland kaum umsetzbar. „Zudem ist nicht bewiesen, dass diese Möglichkeiten Kindstötungen verhindern“, so Blechinger. In einigen wenigen Fällen, in denen Frauen sich vorher eine Notlösung für ihr ungewünschtes Kind überlegen, könne eine Babyklappe helfen. „Frauen, die ihre Schwangerschaft verdrängen, werden aber von der Geburt überrascht und handeln nicht überlegt.“
Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) und Sozialminister Günter Baaske (SPD) hatten sich zuvor dafür ausgesprochen, dass anonyme Geburten – als letzter Weg in einem umfassenden Hilfesystem – möglich sein müssten. Laut Gesetz verstoßen anonyme Entbindungen gegen das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft. Ihre Partei werde nicht auf eine Legalisierung der anonymen Geburt drängen, so Blechinger. „Die Erfolgsaussichten dafür sind sehr gering“, so die frühere Justizministerin. (Von Marion Kaufmann)