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07.01.2012

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Barock, galant, aufgeklärt

Emmanuel Pahud und die Kammerakademie Potsdam zeigen den „Flötenkönig“ als Augenzeugen eines Kunst-Umbruchs

Er war zwar gerne Feldherr, doch die schönen Künste mochte er nicht minder. Wenn Friedrich der Große nicht in politischen Angelegenheiten auf Reisen war, lud er allabendlich in Sanssouci zur musikalischen Gesellschaft ein. Dort führten hochkarätige Musiker vor einem exklusiven Zuhörerkreis ein buntes Programm aus Solostücken, Kammer- und Orchestermusik auf.

Diese Vielfalt lässt sich nun auf dem Doppelalbum vernehmen, das der Flötist Emmanuel Pahud aus Anlass des 300. Geburtstags des Monarchen aufgenommen hat. Es enthält Werke von Friedrich, dessen Lehrer Quantz und Mitgliedern der königlichen Hofkapelle.

Pahud entdeckt Sanssouci als Zentrum des epochalen Wandels vom Barock zur Aufklärung. Johann Sebastian Bach hatte den barocken Kontrapunkt zum Höhepunkt geführt. Abgelöst wurde er von einer Komponistengeneration, die Harmonie und Mehrstimmigkeit zugunsten des individuellen Ausdrucks vereinfachten. Das informative Booklet zu Pahuds Album erläutert diesen Hintergrund.

Ausgangspunkt für den Schweizer Flötisten, der seit 1993 für die Berliner Philharmoniker bläst, ist ein Schlüsselereignis der preußischen Musikgeschichte: der Besuch des Thomaskantors in Potsdam am 7. Mai 1747. Ergebnis war das „Musikalische Opfer“, in das Bach ein vom König verfasstes Thema integrierte. Pahud hat die Triosonate aus dem „Musikalischen Opfer“ aufgenommen, in der der alte Bach auf charmante Weise den modernen galanten Stil aufgreift. Mit dieser Komposition liegt allerdings die Messlatte so hoch, dass die anderen Stücke des Albums blass aussehen.

Vor allem jene aus der Feder des Königs, der zwar ein passabler Amateurkomponist, aber eben doch kein Genie war. Gleichwohl sind seine Stücke schwierig zu spielen. Mit ihren exaltierten Sprüngen und kapriziösen Verzierungen tragen sie die Handschrift des Herrschers.

In Friedrichs C-Dur-Konzert spielt Pahud den hochvirtuosen, pompösen Solopart mit feiner Delikatesse. Begleitet wird er hier von der quicklebendigen Kammerakademie Potsdam unter Leitung des Cembalisten Trevor Pinnock, einem englischen Originalklang-Experten.

Dass Friedrich zur Flöte griff, lag an deren klanglicher Eleganz und an der graziösen Haltung, die ihre Handhabung verlangt. Zudem hatte sie den Vorteil der Neuheit, so dass sich der König nicht an anderen Virtuosen messen lassen musste. Gerade erst war nämlich die barocke Blockflöte von der aus Frankreich stammenden Querflöte abgelöst worden. Bei dieser ermöglichten Griffklappen eine ausgeglichene Tongebung und individuelle Klangfarben. Friedrich ließ sich seine Instrumente von Johann Joachim Quantz bauen, seinem Hofkomponisten und Lehrer. Kein Wunder, dass dessen eigene Werke zuweilen den unterwürfigen Gestus eines Angestellten haben. In Quantz’ effektvollem, aber bravem G-Dur-Konzert verleiht Pahud dem Flötenklang sanfte Geschmeidigkeit.

Doch in der Hofkapelle gab es auch erstklassige Komponisten wie den Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel, Friedrichs Kammercembalist. Dessen A-Dur-Konzert kommt mit prachtvollem Schwung daher. Doch dessen düsterer Mittelsatz ist für Verhältnisse des 18. Jahrhunderts ein depressiver Gefühlsausbruch ersten Ranges. Genauso originell sind die Werke des heute leider unterschätzten böhmischen Geigers Franz Benda. In dessen hochdramatischem e-Moll-Konzert spornt Trevor Pinnock die Kammerakademie zu einem derart vehementen, nachdrücklich akzentuierten Spiel an, dass die Triller wie Gummibälle hüpfen. Pahud befleißigt sich hier eines dunklen, leidenschaftlichen, geradezu schroffen Tonfalls.

Der Musiker gehört eben auch deshalb zur ersten Liga der Flötisten, weil er nicht bloß aalglatten Schönklang fabriziert. Pahuds Meisterschaft zeigt sich gerade darin, dass er für jede der ganz unterschiedlichen Musikerpersönlichkeiten am Hofe Friedrichs in eine neue Rolle schlüpft. (Von Antje Rößler)


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