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06.01.2012

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Schnitzelbrötchen in der Beat-Box

Marc-Uwe Kling moderierte am Mittwoch zum letzten Mal die Lesebühne „Pot-Show“ im Spartacus

POTSDAM / TELTOWER VORSTADT - Der Abschied von Kabarettist und Alt-Poetry-Slammer Marc-Uwe Kling am Mittwochabend kam ein bisschen wie aus dem Bilderbuch daher: Noch kurz vor Beginn der Lesebühne „Pot-Show“ stehen vorm Spartacus geschätzt 80 Leute Schlange, „Freiland“-Koordinator Achim Trautvetter bleibt nichts anderes übrig, als die Wartenden wegzuschicken. Innen sind alle 300 Stühle voll besetzt, auf dem Podest sitzt der Mann des Abends Marc-Uwe Kling zwischen alten Bekannten: Autor Michael Ebeling ist gekommen, sein Kollege Sebastian Lehmann, die Zweimannband „Broca Areal“ und natürlich Klings Nachfolger Maik Martschinkowsky. Es gibt sogar eine Torte, kreiert von „Freiland“-Bufdi Gregor Thomas, der in der Bäckerei „Braune“ ausgebildet wurde. Als Anspielung auf die von Kling erfundene Figur aus seinem „Känguru-Manifest“, sitzt ein Marzipan-Känguru auf dem Schokoladenteig, daneben steht in süßen Lettern: „Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei“.

2005 stand Marc-Uwe Kling zum ersten Mal auf der Waschhaus-Lesebühne „Papierpiloten“ und ein Jahr später trat er erstmals im Spartacus als Poetry-Slammer an, schon 2006 und 2007 gewann er die deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften. Er schrieb zwei Bücher über sein Leben mit dem kommunistischen Känguru und tourte mit einem Solo-Programm durch die Republik. Potsdams Slam-Fans blieb er treu, er zog mit ins studentische Kulturzentrum Kuze, und 2011 ins neue Spartacus, wo der „Pot-Slam“ zur Lesebühne „Pot-Show“ umfunktioniert wurde. Vor einem Jahr beendete Kling seinen Moderatorenjob beim „Kreuz-Slam“ in Berlin, nun folgte der Abschied von Potsdam. Kling möchte seine gesamte Kreativität in ein drittes Känguru-Buch stecken, außerdem ist für März dieses Jahres eine Veröffentlichung der Berliner Lesebühne „Lesedüne“ geplant. „Über Wachen und Schlafen“ wird die Sammlung aus Texten von Kling und vier seiner Kollegen, darunter auch Martschinkowsky und Lehmann, heißen.

Der Leseabend im Spartacus ist vielfältiger, als es für Lesebühnen selbstverständlich geworden ist, seit immer mehr Zuschauer zu den Veranstaltungen strömen: Michael Ebeling schlägt vor, Pornokonsum und Naturschutz konstruktiv miteinander zu verbinden, Sebastian Lehmann denkt nach über seinen 30. Geburtstag, um festzustellen, dass er nicht viel mehr erreicht hat, als ein Praktikum abzubrechen. Maik Martschinkowsky berichtet über Brandstiftung im Arbeitsamt und „Broca Areal“ bieten eingängigen Sprechgesang zu Oldschool-Beats und den „Heimlichen Aufmarsch“ zum Mitsingen. Als Zugabe packte Kling selbst sein „Meat-Boxing“-Stück aus der Mottenkiste: Beat-Boxing über Schnitzelbrötchen, Bratwurst und Tsatsiki. Und als wolle er den Bilderbuchabend abrunden, ruft noch ein Zuschauer in Richtung Bühne: „Marc-Uwe, ich will ein Känguru von dir!“ (Von Juliane Primus)


Poetry-Slam in Potsdam:

Der erste Lese-Wettbewerb wurde am 4. April 2002 im Waschhaus ausgetragen, es siegt eine junge Potsdamerin mit Reimen über Vegetarier und getötete Pflanzen.

Ein 56-jähriger Biologe gewinnt bei der vierten Auflage, die MAZ schreibt von „dominierenden Senioren“.

Zwischenzeitlich war der Slam ins Kuze ausgelagert, mit der Eröffnung des Freilandes wird der Wettbewerb „Pot-Slam“ zur Lesebühne.

Am 8. Februar ist die nächste „Pot-Show“, darunter mit dem zweifachen Poetry-Slam-Meister Sebastian 23 (Sebastian Rabsahl). (jup)



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