Wer derzeit die Schlüterstraße in Bergholz-Rehbrücke entlang geht, erblickt Ungewöhnliches – Menschen, die aus dem Fenster schauen. Okay, es sind keine echten Leute, die da am Bergholzer Dorfkrug auf die Straße gucken. Die Gestalten aus anderen Zeiten sind an der Fassade hübsch aufgemalt. Aber das ist nicht das Besondere, von dem hier die Rede sein soll. Der Anblick ist ungewohnt, weil Menschen heutzutage nicht mehr aus dem Fenster sehen – jedenfalls nicht länger als 30 Sekunden.
Und wer es doch tut, wird von seinen Mitmenschen argwöhnisch beäugt: „Hat der nichts zu tun? Ist der etwa arbeitslos geworden?“ Ja, die Wahrnehmung von Menschen, die am Fenster sitzen, hat sich gravierend geändert. Der Zeitgeist ist eben ein wechselhafter Geselle. Heute gilt der Fenstergucker als neugieriger Spanner oder als Underdog, der von Hartz IV lebt.
Es ziemt sich nicht und normalerweise hat man auch keine Zeit mehr, um ausgiebig die Welt da draußen zu betrachten. Selbst das arbeitsfreie Wochenende ist längst verplant: Fitness-Center, Töpferkurs, Konzert, Spaziergang, Besuch bei Bekannten. Der trendige Zeitgenosse erträgt das Nichtstun nicht und versucht Erlebnisse von zwei Leben in eins zu pressen. Man könnte ja etwas verpassen. Er ist wichtig, will überall dabei sein und schaut sich bei Google-Street-View die Welt an oder guckt nach dem Checken der E-Mails noch auf den Regenradar vom Online-Wetterdienst, um zu erfahren, ob es draußen regnet.
Meine Großmutter sah noch ausgiebig aus dem Fenster. Sie saß auf einem Stuhl, hatte unter ihren Armen ein Kissen und schaute raus auf die Straße und auf den kleinen See, wo Menschen in Ruderbooten ihre Runden zogen. Sie tat das nicht aus Langeweile. Sie genoss in solchen Momenten das Nichtstun, hing ihren Gedanken nach und ahnte: Die Welt dreht sich auch ohne mich weiter. (Von Jens Steglich)
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
» weiter