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17.01.2012

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Hundefutter am Dönerspieß

Rund fünf Jahre nach dem Ekelfleisch-Skandal stehen die mutmaßlichen Drahtzieher vor Gericht

POTSDAM - Es konnte einem der Appetit vergehen, als im Herbst 2006 einer der größten Ekelfleisch-Skandale die Republik verunsicherte, den Dönerbuden Umsatzeinbrüche bescherte und die Fleischfans einmal mehr vor die Frage stellte, was man eigentlich noch bedenkenlos essen könne. 95 Tonnen Putenfleisch, das zum Teil nur noch als Tierfutter taugte, am Ende aber am Dönerspieß brutzeln sollte, beschlagnahmte die Berliner Polizei im September 2006. Gute fünf Jahre später stehen die mutmaßlichen Drahtzieher vor Gericht. Ab morgen müssen sich drei Geschäftsführer einer kleinen Vertriebsfirma vor dem Berliner Amtsgericht Tiergarten verantworten, weil sie gegen das Lebensmittelgesetz verstoßen haben sollen.

Die Verhältnisse der Importfirma sind kompliziert. Mehrfach sollen die Geschäftsführer gewechselt und zum Teil nur als Strohmänner gehandelt haben. Mit Milat Ö. (51), Nogman K. (44) und Ali K. (36) glaubt die Staatsanwaltschaft nun, die faktischen Geschäftsführer hinter dem florierenden Fleischhandel angeklagt zu haben. Das Strafmaß kann bei Verstößen gegen das Lebensmittelgesetz in besonders schweren Fällen bei bis zu fünf Jahren Haft liegen, wie Gerichtssprecher Tobias Kaehne erklärte.

Insgesamt 320 Tonnen Fleisch soll eine italienische Firma an den kleinen Vertrieb in der Großmarkthalle an der Beusselstraße geliefert haben, ehe der Skandal aufflog. Wie viel davon verdorben war, ist unklar. Offenbar waren die Kampfpreise, mit denen die Firma seinerzeit auf den Markt drängte, der Konkurrenz ein Dorn im Auge. Die Ermittler erhielten anonyme Hinweise aus der Branche und wurden fündig. Mehrere Proben der beschlagnahmten 95 Tonnen Putenfleisch waren mit Salmonellen, zum Teil mit Fäkalkeimen belastet. Zuvor waren laut Senatsverwaltung für Gesundheit bereits 81 Tonnen Fleisch nach Brandenburg und Schweden geliefert worden und 43 Tonnen in Berlin in Umlauf gekommen.

Die Vertriebswege waren zum Teil komplex. So gelangten ranzige Fleischlappen aus Italien über die Berliner Firma via Großbritannien nach Norddeutschland, um dann an eine bayerische Wurstfabrik geliefert zu werden. Miroslaw Strecker, ein Lkw-Fahrer aus Calau (Oberspreewald-Lausitz), deckte 2007 das volle Ausmaß des Skandals auf. Als er Schlachtabfälle von Hamburg nach Bayern fahren sollte, wurde er stutzig: Sein Zielort war die Wurstfabrik, das Fleisch aber als Tierfutter gekennzeichnet. Der couragierte Brummifahrer informierte die Polizei.

Inzwischen wurde der Chef der Fabrik vom Landgericht Augsburg zu zwei Jahren Haft verurteilt. Er hatte das Tierfutter umetikettiert und an Berliner Dönerbuden geliefert. (Von Torsten Gellner)


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