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21.01.2012

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Die Züge fest im Blick

Karin Dobbrick ist in Kyritz Schrankenwärterin – ein vom Aussterben bedrohter Beruf

KYRITZ - Um Punkt 8.52 Uhr klingelt das Telefon im Schrankenwärterhäuschen von Karin Dobbrick. Am anderen Ende der Leitung ist der Fahrdienstleiter, der den gleich am Kyritzer Bahnhof abfahrenden Triebwagen der Prignitzer Eisenbahn Gesellschaft (PEG) nach Pritzwalk meldet. Karin Dobbrick geht daraufhin zum Bedienpult, um die Schranken für die Perleberger Straße und den Rehfelder Weg zu schließen.

Die 52-Jährige übt einen Beruf aus, den es immer seltener gibt. Vielerorts ersetzt moderne Technik die Schrankenwärter. Züge lösen beim Darüberfahren Kontakte aus, wodurch sich die Schranken automatisch schließen und öffnen. Der Bahnübergang in der Perleberger Straße ist der einzige bei der PEG, an dem das Schrankenwärterhäuschen täglich besetzt ist. Das Unternehmen befährt die Strecke mit der Nummer 6938 von Neustadt über Kyritz und Pritzwalk nach Meyenburg. Am 1. März 2008 pachtete die PEG zudem den Abschnitt Pritzwalk–Neustadt von der Deutschen Bahn, der nach Meyenburg befand sich damals schon im Besitz der Eisenbahngesellschaft.

Karin Dobbrick guckt aus dem Fenster, wenn ein Zug sich dem Bahnübergang nähert. Aus dem ersten Stock des Häuschens hat sie einen guten Überblick. Schrankenwärterin ist für sie ein Traumberuf. „Ich wollte nie etwas anderes machen. Auch mein Großvater und mein Onkel waren Eisenbahner“, erzählt die Kyritzerin. Sie hofft, dass sie ihren Arbeitsplatz an der Perleberger Straße möglichst bis zur Rente behalten darf.

Noch dieses Jahr soll innerhalb der Umgestaltung des Perleberger Platzes unweit des Übergangs ein Bahn-Haltepunkt entstehen. Auch ein neues Gebäude sei geplant, sagt Frank Brechler, Leiter Infrastruktur bei der PEG, mit Blick auf das sanierungsbedürftige Haus, in dem Karin Dobbrick arbeitet. Perspektivisch werde der Fahrdienstleiter die Schranken bedienen.

Der Bahnübergang in der Perleberger Straße sei für die Schrankenwärter ein anspruchsvoller, sagt Frank Brechler. Auf der Straße herrsche viel Verkehr und in unmittelbarer Nähe münde eine weitere Straße ein. Karin Dobbrick und ihre Kollegen müssen also auch wartende Linksabbieger im Blick behalten, wenn sie die Schranken schließen. Im Zwei-Schicht-System wird der Posten besetzt.

Zwei Gleise queren die Straße: Das eine ist das Streckengleis für den 61 Kilometer langen Abschnitt zwischen Neustadt und Meyenburg. Das andere ist das Nebengleis, welches nur für Rangierfahrten benutzt wird. Pro Werktag fahren auf der Strecke 18 Personenzüge. Dazu kommen wöchentlich zwei bis drei Güterzüge zum Gewerbegebiet Falkenhagen (Prignitz). Zu Reichsbahnzeiten, als die Route über Kyritz als Nebenstrecke zum Seehafen Rostock genutzt wurde, war das Wagenaufkommen deutlich höher. (Von Axel Knopf)


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