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24.01.2012

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„Ein glimpfliches Urteil“

Der Müllpate Bernd R. soll ins Gefängnis, in den belasteten Gemeinden sind die Reaktionen kritisch

MITTELMARK - „Privatgelände. Betreten nur mit Genehmigung des Eigentümers“, steht auf einem Schild. Das Tor ist verschlossen. Ein Erdwall soll die ehemalige Wolliner Dorfdeponie vor neugierigen Blicken schützen. Doch die von den Ermittlungsbehörden ausgebaggerten Abfälle sind zu hohen Bergen aufgetürmt, die sich nicht verstecken lassen. Seit der illegale Einbau von geschredderten Haus- und Gewerbeabfällen in Wollin 2006 aufflog, scheint sich dort nichts verändert zu haben. Was Bernd R. aus Profitgier in der Altdeponie entsorgte und von der Staatsanwaltschaft mit Baggern ans Licht geholt wurde, stinkt längst zum Himmel – und keiner weiß so richtig, wie es nach der Verurteilung von Bernd R. weitergehen soll.

Ratlos ist Ziesars Amtsdirektor Norbert Bartels. Die Wolliner Grube ist Privateigentum, gehört zur Hälfte Bernd R. „Gut, dass der Mann seine Strafe bekommen hat. Aber wie es weitergehen soll, ist mir schleierhaft“, so Bartels. Auf Empfehlung des Landkreises beauftragte einst die Verwaltung den „Entsorgungsfachmann“ mit der Rekultivierung. Bernd R. hatte sich kostenlos angeboten – niemand wurde stutzig. Jetzt sitzt Wollin auf einer tickenden Zeitbombe, die nach Ansicht von Gutachtern das Grundwasser gefährdet. Die Sanierung würde ein Vermögen kosten und Wollin arm machen.

Verwaltungschef Bartels rät lieber zur Besonnenheit: „Für mich ist die Frage nicht geklärt, wie gefährlich die Abfälle tatsächlich sind. Ich gehe von einer jahrelangen Kontrolle zur Gefährdungsabschätzung aus. Da sehe ich die Abfallbehörde des Kreises als Kontrollorgan in der Pflicht.“ Bartels erinnert an die erfolgreiche Rekultivierung und Abdeckung einer ehemaligen Sondermülldeponie bei Görzke: „Da sind noch ganz andere Sachen drin. Warten wir also ab, bevor schon wieder über Millionen spekuliert wird.“

Vielleicht bleibt es ja auch bei einer bloßen Schließung der zur Beweissicherung aufgerissenen Gräben, wie es Landrat Wolfgang Blasig (SPD) vorschwebt, sobald das Urteil gegen R. rechtskräftig ist. Der vom Müllpaten insgesamt im Kreis angerichtete Umweltschaden soll sich auf 73 Millionen Euro belaufen – da müsste auch Potsdam-Mittelmark die weiße Fahne hissen. Blasig will sich deshalb einen Teil von R.s Privatvermögen sichern, dies müsste auf dem Weg einer Zivilklage geschehen. Rund vier Millionen Euro Profit soll R. aus seinen Geschäften gezogen haben – einen Bruchteil allerdings konnte die Justiz lediglich sichern: 400 000 Euro.

Ohne Hilfe von außen sieht auch Bensdorfs Bürgermeister Udo Krüger kein Ende der Schweinerei auf der ehemaligen Kippe in Altbensdorf, der jetzt auf Vorschläge aus Bad Belzig zur Schließung wartet. „Hoffentlich bald, denn den Druck aus der Bevölkerung müssen wir schon lange genug aushalten“, sagt Krüger. Staatsanwaltschaft und Ermittlern macht er den Vorwurf, dass es bis zur Urteilsfindung zu lange gedauert hat. Mit dem Urteil gegen Bernd R. könne er leben, findet aber, dass er in Anbetracht der Schadenshöhe und der Täuschung mit vier Jahren und drei Monten Haft glimpflich wegkomme. Dieser Meinung ist auch Rosenau-Bürgermeister Rolf Geelhaar.

Die Wusterwitzer Amtsdirektorin Gudrun Liebener will den Richterspruch nicht kommentieren. „Unsere Schwerpunktaufgabe ist nun zu gucken, wie die Gemeinden von den Müllbergen befreit werden“, so die Verwaltungschefin. „Das können wir nur gemeinsam mit dem Landkreis.“ Während die Deponie in Altbensdorf der Gemeinde gehört, hatte Familie R. die Flächen in Zitz und Rogäsen gekauft.

Bensdorfs Bürgermeister macht sich Gedanken, wie geschädigt das Grundwasser durch die Ablagerungen nun wirklich ist. „Das muss noch mal geprüft werden“, fordert er. Zwar hatte der Kreis drei Probe-Messstellen in Altbensdorf errichten lassen, die aber vor allem im Randbereich. Krüger hofft mit dem Urteil, dass der Staatsgewalt klar geworden sei, dass die Kontrolle versagt habe und Behörden für künftige Rekultivierungen aus diesem Umweltskandal Schlussfolgerungen ziehen.

Rosenaus Bürgermeister Geelhaar fordert „auch eine politische Aufarbeitung, welche Mechanismen in Behörden und Ämtern solche Problemstellung hervorrufen“. Das Strafmaß für Bernd R. sei für ihn kein ausreichendes Zeichen, um künftig solch kriminelles Handeln einzuschränken. „Wir als Betroffene vor Ort warten jetzt auf Antworten, was geschehen soll und wer zur Kasse gebeten wird“, so Geelhaar, der für eine umfangreiche Sanierung plädiert. Die Gruben „nur zuzuscharren“ wäre in seinen Augen ein weiterer Skandal. Denn wenn der Müll in dieser Konsistenz noch länger liegen bleibt, befürchtet er weitere finanzielle oder gar gesundheitliche Schäden. Außerdem fragen sich Bürger nach wie vor, wo das ergaunerte Geld bleibt. „Kommt es uns auf den Dörfern zugute oder dient es dem Täter als Alterssicherung und seiner Familie für ein schönes Leben?“ (Von Frank Bürstenbinder und Claudia Nack)


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