POTSDAM / INNENSTADT - „Anneliese malte Jenny“ steht etwas ungelenk neben einem grellroten Porträt, das mit der Unbekümmertheit einer Kinderzeichnung wie magnetisch die Blicke der Besucher im Kunsthaus „Sans titre“ anzieht. Es ist nur eine von vielen bemerkenswerten Arbeiten, die geistig und seelisch behinderte Menschen unter Anleitung des Künstlers Mikos Meininger anfertigten und die nun zum Projektende dem Publikum gezeigt werden.
Zur Vernissage dieser Ausstellung wuselte es nur so vor Gästen und nicht nur das knisternde Kaminfeuer verbreitete die wohlige Wärme einer fröhlichen Familienfeier. Kaffee und Kuchen, aber auch sehr viel Stolz über die eigenen künstlerischen Resultate zauberten eine für die garstige Jahreszeit völlig untypische Zufriedenheit auf die Gesichter der Anwesenden.
Dieses von der Theodor-Fliedner-Stiftung Brandenburg unterstützte Kunstprojekt, das von Lajana Reck betreut wurde, startete vor vier Monaten beim samstäglichem Kaffee im „Sans titre“ mit dem gegenseitigen Kennenlernen. Seither entstanden nicht nur unzählige Bilder, Plastiken und Fotografien, sondern wuchsen auch Vertrauen und gegenseitiger Respekt. Das wiederum sieht man den ausgestellten Arbeiten an.
Schon der Kunstpostkartenständer mit seinen dutzenden von originellen selbstgestalteten Motiven deklassiert spielend die handelsübliche Kunstdruck-Massenware. Die Fülle der ausgestellten Bilder und deren oft sehr enge Hängung entschärfen bedauerlicherweise manchen künstlerischen Kracher, weil sich die oft mutigen Farben durch ihre große Nähe viel von ihrer Kraft nehmen. Trotzdem spürt der aufmerksame Besucher immer noch etwas von der geradezu entfesselten künstlerischen Gestaltungskraft und der Lebendigkeit dieser stilistisch unverdorbenen Kunst. Auffällig auch die sichere Beherrschung selbst massiver Farbflächen zum Beispiel bei zwei Arbeiten von Sabine Polz. Einmal krönt sie mit einem hellen Grün einen erdigen Dreiklang von satten Farben und diese fast schon sinfonische Szenerie spielt sich vor einem grandios blutigen Himmel ab. Gleich darunter hat sie auf einem himmelblauen quadratischen Grund einfach drei Farbflächen gestapelt. Tiefstes Grün als Fundament und darüber wildes rötliches Gestrüpp, auf dem majestätisch eine schneeweiße Wolke thront.
Ähnlich sicher behaupten sich auch die flächigen Farbkompositionen von Christian Schwoch und Frank Göde. Beiden gelingt mit minimalem technischem Aufwand eine expressive Bildsprache, die an die ganz Großen dieser Kunstströmung erinnert. Die Ausstellung ist eine unbedingte Empfehlung für alle privaten und öffentlichen Geldgeber, denen an einer sinnstiftenden Verwendung ihres Geldes gelegen ist. Künstlern und Kunstinteressierten sei sie angeraten, weil sie dem abgelutschten Begriff Kreativität wieder eine fassbare Gestalt gibt.
Französische Straße 18, bis 29. Januar, Do.–So. 14–18 Uhr. (Von Lothar Krone)
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
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