POTSDAM - Dem Solarkonzern Q-Cells in Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) ist das Geld ausgegangen. Eine im Februar fällige Anleihe in Höhe von 200 Millionen Euro kann nicht zurückgezahlt werden. Der Solarzellenhersteller hat in den vergangenen neun Monaten Verluste in dreistelliger Millionenhöhe eingefahren. „Eine Insolvenz steht im Augenblick nicht zur Diskussion“, wiegelte Vorstandschef Nedim Cen gestern ab.
Doch in der Region geht die Angst vor einem Verlust von Arbeitsplätzen um. Insgesamt 3000 Jobs bietet die Solarbranche in der Region Wolfen-Bitterfeld, die in Sachsen-Anhalt auch „Solar Valley“ genannt wird. Q-Cells ist mit 1200 Stellen noch immer der größte Betrieb, obwohl in den vergangenen Jahren schon 700 Jobs gestrichen wurden und ein Teil der Produktion nach Malaysia verlagert wurde, wo 1000 Leute für Q-Cells arbeiten.
Jetzt könnte es eng werden für die Firma, fürchtet Erhard Koppitz, Bezirkschef der Gewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie IG BCE für Halle-Magdeburg. „Die Politik muss ein klares Bekenntnis zur Solarindustrie ablegen“, fordert Koppitz. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will die Förderung der Anlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sogar noch schneller herunterfahren als Umweltminister Norbert Röttgen (CDU).
Düstere Wolken sieht auch Peter Ernsdorf, der örtliche IG-Metall-Chef in Ostbrandenburg, über der Branche aufziehen. „Die Beschäftigten könnten jetzt die Verlierer werden“, befürchtet er. Die Unternehmen seien mit Hinweis auf niedrige Löhne, lange Arbeitszeiten und gute Förderbedingungen nach Brandenburg gelockt worden. Sie seien allerdings nur mit „verlängerten Werkbänken“ gekommen, ohne eigene Abteilungen für Forschung und Entwicklung aufzubauen. Inzwischen aber hole Asien technologisch auf. Und im Wettbewerb um Billiglöhne könne Brandenburg ohnehin nicht bestehen.
Die Lage ist in der Tat zum Teil ernst. Bei First Solar und Conergy in Frankfurt (Oder) wurde Kurzarbeit vereinbart, um die Jobs zu sichern. Keine Einschnitte gab es bisher bei Aleo Solar in Prenzlau (Uckermark) und bei Odersun in Fürstenwalde (Oder-Spree). Dort arbeiten 260 Beschäftigte in der Produktion sogenannter gebäudeintegrierter Fotovoltaik. „Das ist ein Nischenmarkt ohne extreme Billiganbieter“, sagt Odersun-Sprecherin Jana Ludwig.
Keinen Grund für Schwarzmalerei sieht Carsten König, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft. Die Branche sei in Deutschland gut aufgestellt. „Nirgendwo sonst auf der Welt existiert eine so hohe Dichte an solaren Forschungseinrichtungen und Unternehmen“, sagt König. Bis 2020 erwartet er eine Verdreifachung des Weltmarkts und entsprechend gute Exportchancen. Das deutsche Know-how sei international gefragt.
Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) ist offenbar trotzdem beunruhigt über die Lage der Solarbranche. Seit Tagen ist von ihm immer dasselbe zu hören. Die Solarförderung müsse verlässlich bleiben. Und: „Deutschland braucht eine industriepolitische Entscheidung für oder gegen erneuerbare Energien“. (Von Ulrich Nettelstroth und Mathias Richter)
Solarstandort Brandenburg