POTSDAM/BERLIN - „Vorbild und Trugbild“ zugleich sei Friedrich II. in der preußischen Geschichte gewesen, sagte Bundespräsident Christian Wulff gestern auf einem Festakt zum 300. Geburtstag des Monarchen im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt. „Er konnte in einem Moment eiserner Feldherr und im nächsten sanfter Flötenspieler sein.“
Eingeladen zu der Feier hatten die Bundesländer Berlin und Brandenburg, deren Regierungschefs sich wie auch die übrigen Redner für einen differenzierten Blick auf das historische Erbe von Friedrich dem Großen (1712-1786) aussprachen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) nannte den Monarchen in seinem Grußwort „widersprüchlich, genial, risikofreudig“. Das Erbe Friedrichs des Großen müsse in seiner Zwiespältigkeit angenommen werden. Dem habe sich selbst die DDR in ihren späteren Jahren nicht verschließen können.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verwies darauf, dass Friedrich der gesamten Region um Berlin seinen Stempel aufgedrückt habe. Seine Toleranz, etwa bei der Einwanderungspolitik, sei aber nur soweit gegangen, wie sie seinem Machtstreben diente. Für einen „unbefangeneren“ Umgang mit seinem Vorfahren warb der heutige Chef des Hauses Hohenzollern, Georg Friedrich Prinz von Preußen.
Der an der britischen Universität Cambridge lehrende Historiker Christopher Clark sieht in Friedrich „weder Schreck- noch Vorbild“. Anders als früher gebe es auch keine Anzeichen mehr, den Monarchen „zum Werkzeug der Politik“ zu machen, sagte Clark in seinem Festvortrag. Stattdessen prange Friedrichs Konterfei auf Tassen oder Bussen und habe die „Allgegenwärtigkeit von Coca-Cola“.
Die Gedenkfeiern hatten am Morgen bei winterlichnasskaltem Wetter am Schloss Sanssouci in Potsdam begonnen. Besucher legten am Grab Blumen und Kränze nieder. Kartoffeln erinnerten daran, dass der Preußenkönig der Knolle in Preußen zum Durchbruch verholfen hatte. Mitglieder von Traditionsvereinen erschienen in preußischen Uniformen. Georg Friedrich Prinz von Preußen ehrte den Vorfahren mit einem schlichten Kreuz aus weißen Nelken. Ministerpräsident Matthias Platzeck legte einen Kranz nieder, der mit dem märkischen Adler geschmückt war.
Einen launigen Ton in dieses eher getragene Zeremoniell brachte der Generaldirektor der Schlösserstiftung, Hartmut Dorgerloh, mit Anekdoten über die Umstände von Friedrichs Geburt am 24. Januar 1712 in Berlin. Unter die zahlreichen Friedrich-Fans mischten sich auch Angehörige einer Initiative „Fuck off Fritz“. Gegen zwei der Störer wurden Platzverweise ausgesprochen.
Am Abend hieß es in Potsdams Innenstadt rund um den Nikolaisaal zu Ehren des Jubilars „Happy Birthday, Friedrich“. Das Geburtstagsfest mit Konzerten, Ausstellungen und Führungen war Auftakt für das Kulturland-Themenjahr „Kommt zur Vernunft! Friedrich der Zweite von Preußen“ mit Veranstaltungen im gesamten Land Brandenburg. MAZ
„Friederisiko“, die Kartoffel und kein Ende
„Friederisiko“ – unter diesem Motto startet die große Friedrich-Ausstellung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten am 28. April im Neuen Palais zu Potsdam.
König und Kartoffel ist der Titel einer Ausstellung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte ab 20. Juli.
Porzellane für die Schlösser Friedrichs des Großen werden ab 25. Mai im Berliner Schloss Köpenick gezeigt.
Friedrichs neue Provinzen beschäftigen das Oderlandmuseum Bad Freienwalde und das Kulturhistorische Museum Dominikanerkloster Prenzlau ab 5. bzw. 13. Mai. MAZ