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26.01.2012

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Taste für Taste

Kirchenorgeln werden oft aufwendig saniert, doch dann braucht es auch Musiker, die sie spielen

PETKUS - Falls demnächst seltsame Orgel-Töne aus der Petkuser Kirche zu hören sind, muss sich niemand sorgen. Dann könnte Enrico Körner gerade Schülern erläutern, wie das Instrument zu spielen ist.

Der 31-Jährige erteilt Musik- und Klavierunterricht an der evangelischen Grundschule in Jüterbog und an der Grundschule Werbig. In Jüterbog kümmert er sich mit dem Kantor aus Lehnin um den Schulchor. „Organist Peter-Michael Seifried hat sich stark gemacht, dass ich auch zu Gottesdiensten spiele“, sagt Körner. Doch Organisten sind in mehreren Dörfern knapp. So entstand die Idee mit Pfarrer Joachim Boekels, der seit Oktober 2006 im Amt ist, Schüler für das Orgelspiel zu begeistern. „Herr Boekels setzt sich sehr dafür ein, dass die Instrumente restauriert werden. Danach müssen sie aber regelmäßig gespielt werden“, erklärt der Musiker.

2011 erklang die Petkuser Orgel nach Jahrzehnten der Stille wieder (die MAZ berichtete). Auf ihr will Enrico Körner unterrichten. „Der Kontakt kam zustande, weil Herr Boekels auch in Lichterfelde Pfarrer ist. Dort hab ich ein Benefizkonzert gegeben“, so Körner. Auf der heutigen Ratssitzung sollen Details abgesprochen werden. Fest steht aber, dass schon einige Anmeldungen vorliegen.

„Melden kann sich jeder, auch ohne Vorkenntnisse“, so Enrico Körner. Er wünscht sich, dass die Interessenten aus unterschiedlichen Orten kommen und später auch in ihrer Heimatkirche Orgel spielen. „Ich hab mit zwölf Jahren in Borgisdorf angefangen. Heimanns haben mich geführt“, erinnert er sich. Taste für Taste lernte er, zunächst einzelne Teile des Gottesdienstes auf der Orgel zu begleiten. Zwei bis drei Jahre werde es vielleicht dauern, bis jemand einen Gottesdienst gestalten und die Lieder aus dem Choralbuch spielen könne. Einzuplanen sind eine halbe bis eine dreiviertel Stunde für den Unterricht in Petkus, der einmal pro Woche stattfinden soll.

„Ich glaube, fünf Schüler stehen schon fest. Eine Frau ist darunter, die schon ein bisschen spielt“, sagt der Lehrer, der sich auf seine Aufgabe freut. Allerdings fügt er hinzu, dass sich nicht mehr viele Schüler melden können. „Zehn wären zu viel“, sagt er angesichts der anderen Aufgaben.

So wird in den Bewerbungsgesprächen sicher auch ein wenig darauf geachtet, wie groß die Chance ist, dass jemand für einige Zeit auch die Orgel in „seiner“ Kirche spielt. Gegenwärtig bemühen sich viele Gemeinden darum, ihre Kirchenorgel wieder zum Klingen zu bringen. Im Juni ist ein Eröffnungskonzert in Riesdorf geplant. „Die Petkuser Orgel soll noch einen stärkeren Motor und das ursprüngliche Mixturregister wiederbekommen. Motor und Register kosten mit handwerklicher Registererstellung und Einbau zusammen 5408 Euro“, so Boekels. 2011 wurden knapp 17000 Euro für die Sanierung des Petkuser Instruments ausgegeben. Boekels freut sich besonders darüber, dass die Einwohner für ihre Orgel gespendet haben. Nun sind er und Enrico Körner gespannt, ob die Lust am Unterricht anhalten wird. Nach den Winterferien im Februar soll es losgehen.

Anmeldungen sind an Pfarrer Joachim Boekels in Petkus zu richten, 03 37 45 / 5 02 12. (Von Gertraud Behrendt)


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