Weiße Strände, ewiger Sonnenschein, glückliche Menschen mit Blumengirlanden um den Hals – die Liste der Stereotype zum Thema Hawaii ist unerschöpflich. Und sonnig. Der erste Schlag kommt im neuen George-Clooney-Film „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ deshalb gleich zu Beginn. So schön ist es auf Hawaii nämlich gar nicht, erklärt Clooney alias Rechtsanwalt Matt King dem Zuschauer, während in der Hauptstadt Honolulu dicke graue Regenwolken über hässlichen Wohnblocks hängen und die Armut in der Luft liegt.
Klischee Nummer eins ist gebrochen. Auch sonst räumen Clooney und Regisseur Alexander Payne in „The Descendants“ (Die Nachkommen), der bei den Golden Globes kürzlich mit zwei Auszeichnungen belohnt wurde und ins Rennen um die Oscars geht, mit einigen festgefahrenen Ansichten auf: Lachen und Weinen geht gleichzeitig, eine Familientragödie kann auch ohne Schmalz erzählt werden, und es gibt tatsächlich etwas, das selbst George Clooney eher unsexy aussehen lässt – Hawaiihemden nämlich.
Clooney und Payne geben ein gutes Paar ab. Payne hat sein außerordentliches Händchen für Tragikomödien schon in Werken wie „About Schmidt“ und „Sideways“ überzeugend bewiesen. Clooney zeigte in den vergangenen Jahren mit seiner Auswahl an teils ungewöhnlichen Stoffen, dass er beinahe gleichzeitig sowohl wahnsinnig lustig als auch herzzerreißend rührend sein kann. Die Romanvorlage der hawaiianischen Autorin Kaui Hart Hemmings war eine Steilvorlage.
Rechtsanwalt Matt King muss sein Leben völlig neu ordnen, als seine Ehefrau nach einem Bootsunfall ins Koma fällt. Plötzlich muss er sich um seine zehn und 17 Jahre alten Töchter kümmern, und beide sind nicht unbedingt einfach. Dass er selbst seine eigene Frau kaum kannte, wird ihm klar, als er erfährt, dass diese eine Affäre mit einem anderen Mann hatte und sich eigentlich von ihm trennen wollte. Zu allem hinzu kommt der Ärger um geerbten Landbesitz, den Matt King und seine Familie verkaufen wollen.
Ob ihn die traurige Geschichte des Films nicht manchmal deprimiert habe, trotz aller komischen Momente, wurde Clooney gefragt. Nein, er habe eine wundervolle Zeit gehabt, erklärte er: „Wir waren auf Hawaii. Über was hätte man da traurig sein sollen?“
„The Descendants“, Regie: Alexander Payne, Dauer: 115 Minuten. (Von Britta Gürke)