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26.01.2012

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Quotenschwund bei den Castingshows

Der Trend zeigt nach unten: Dieter Bohlen und Co. kämpfen bei ihren Sendungen mit sinkenden Zuschauerzahlen

POTSDAM - Die Fernsehsender sind im Castingfieber. Allerdings, so scheint es, nur die Fernsehsender. Viermal pro Woche laufen derzeit Shows, in denen am Ende die beste Stimme gefunden werden soll. Aber alle haben sie mit sinkenden Einschaltquoten zu kämpfen.

In der neunten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ spüren RTL und Poptitan Dieter Bohlen erstmals heftigen Gegenwind. Nicht mehr acht, sondern nur noch fünf Millionen Menschen schalten ein. Allerdings scheint es, als ob die Lust, einen neuen Superstar zu finden, nicht mehr sehr groß ist. RTL füllt die Zeit inzwischen mit ewigen Sequenzen, in denen sich Dieter Bohlen und Stilikone Bruce Darnell gegenseitig mit Spray eindampfen. Kandidatinnen wie eine gewisse Karla können nicht singen, haben aber eine große Klappe: „Die können meinen Arsch lecken“, sagte die junge Dame und soll damit das Publikum belustigen. Das schaltet jedoch immer öfter genervt weg.

Auf die Schau der Castingversager verzichten die Entertainer Stefan Raab und Thomas D. bei „Unser Star für Baku“ – über die macht sich Raab nur in seiner täglichen Sendung „TV total“ lustig. Die Suche nach dem deutschen Kandidaten für den Eurovision Song Contest 2012 ist jedoch ernüchternd. Dünne Stimmchen, langweilige Songs und ein Dauerlob der Jury passen kaum zusammen. Aufsehen erregt nur die sogenannte Blitztabelle. Sie ist ständig im Bild, jeder weiß permanent, auf welchem Platz sein Liebling steht.

Nach zwei Shows hat sich bereits herausgestellt, dass diese Offenheit Murks ist. Beide Male standen am Ende der Sendung sage und schreibe sechs der zehn Kandidaten gleichauf. Vergangenen Donnerstag stürzte in buchstäblich letzter Sekunde die eigentliche Favoritin Vera von Platz eins auf Platz sechs der Tabelle und flog raus. Das Anrufverhalten der Zuschauer wird durch die Blitztabelle manipuliert. Es scheint, als ob wir dieses Jahr nicht ein Talent nach Baku schicken, sondern einen Glückspilz, der zufällig gerade ganz oben auf der Rangliste stand. „Was habe ich da nur angerichtet?“, sagte Stefan Raab vergangenen Donnerstagabend nach der Show, als er dachte, er sei nicht mehr auf Sendung.

Schon beschweren sich die Fans auf Facebook im Internet über die Zuschauerabzocke und fühlen sich an den Hot Button beim verblichenen Sender 9Live erinnert. Vielleicht verliert „Unser Star für Baku“ auch deshalb Fans: 2,44 Millionen Menschen waren bei der Premiere dabei, eine Woche danach nur noch 1,71 Millionen.

Mit Quotenproblemen hat auch „The Voice of Germany“ zu kämpfen. Dabei fing alles so gut an: Mehr als fünf Millionen Zuschauer waren dabei, als die Kandidaten auf die Bühne kamen und die Jury (in diesem Fall Coaches) die Stimmen nur hörten, dafür aber die Leute nicht sahen. Das war tatsächlich was Neues. Doch das Interesse der Zuschauer nahm spürbar ab, als die großen Liveshows begannen. Das Format hat gut die Hälfte seiner Fans verloren. Am Freitag vergangener Woche waren nur noch 2,87 Millionen dabei. Kein Wunder: Bei „The Voice“ war nur die Anfangsphase interessant, inzwischen ist es nur eine herkömmliche Castingshow ohne Pfiff – und ohne echte Talente, wie nicht wenige Facebook-Nutzer auf den diversen Medienseiten im Netz kritisieren. Morgen schrauben die Macher deshalb schon am Konzept: „Alle 30 Minuten muss einer gehen“ und nicht erst am Ende, so steht es auf der Homepage der Show.

Schon „Das Supertalent“ (RTL) und „X Factor“ (Vox) lieferten im Dezember nur mittelmäßige Einschaltquoten. Auch wenn trotzdem neue Staffeln angekündigt werden – das Ende des Castingbooms scheint in Sicht. (Von Robert Tiesler)


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