Tagsüber arbeitet der namenlose Held als Stuntfahrer in Hollywood und sorgt dafür, dass sich Autos effektvoll überschlagen. Nachts steuert er präzise und abgebrüht Fluchtwagen nach bewaffneten Überfällen durch das Labyrinth der Straßen von Los Angeles. Ryan Gosling spielt diesen wortkargen Einzelgänger mit coolem Blick, er ist der einsame Wolf, ein Mann ohne Vergangenheit und mit einem eigenen Ehrenkodex. Seine Figur erinnert an das Kino von Walter Hill und Michael Mann, an Filme wie „Leben und Sterben in L. A.“, „Der Einzelgänger“ oder auch an „Taxi Driver“, der allerdings in New York spielt.
Tatsächlich orientiert sich der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn in seiner ersten großen Hollywoodproduktion am Kino der 80er Jahre, dem Kino seiner Jugend, das ihn prägte. In seiner Inszenierung ist jedes Bild eine faszinierende Komposition, sein Blick auf die blaugrünen, flirrenden Straßen, die knallbunten Einkaufscenter wie eine Studie der urbanen Einsamkeit. „Drive“, der auf einem Krimi von James Sallis beruht, ist ein kühler und hypnotisierender Film, von dem man sich wünscht, das er nie endet.
Ryan Gosling, der Driver, zieht während des ganzen Films nie seine helle Satinjacke aus, auf die ein riesiger Skorpion gestickt ist. Auch als sie mal um mal mehr mit Blut beschmiert ist. Dass er immer weiter in eine Spirale der Gewalt gerät, töten muss, um zu überleben, hat natürlich eine Frau (Carey Mulligan) ausgelöst. Für sie riskiert er alles.
„Drive“, Regie: Nicolas Winding Refn, Dauer: 101 Minuten. (Von Claudia Palma)