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27.01.2012

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Buchausleihe soll nicht kostenlos bleiben

Amt Temnitz will von ehrenamtlicher Arbeit in Walslebener Bücherei profitieren

WALSLEBEN - Den 23. Leser hat Gudrun Willutzki am Mittwochabend in der Gemeindebibliothek in Walsleben begrüßt. Die Betreuerin der Bücherei ist zufrieden. Wenn es abends, zur Öffnungszeit der Bibliothek, draußen nicht mehr dunkel ist, kämen sicher auch mehr ältere Leser in die Lesestube. Den Bücherbus des Kreises, der seit vergangenem Jahr nicht mehr unterwegs ist und der einmal wöchentlich für 20 Minuten in Walsleben Halt machte, nutzten neun Familien.

Weil der Landkreis sein Angebot einstellte, hatte Gudrun Willutzki die Idee für eine Gemeindebibliothek. Auch die von ihr betreute Grundschulbücherei hat sie schon aufgebaut. 110 von 120 Kindern leihen dort regelmäßig Bücher aus.

Einen ähnlichen Erfolg verspricht sich Gudrun Willutzki nun von der Leihbücherei der Gemeinde. Die Amtsverwaltung will vom Leserinteresse profitieren. Amtsdirektorin Susanne Dorn will eine Nutzungsabgabe für die jetzt noch kostenlose Bibliothek. Kämmerin Kerstin Dames schwebt eine Jahresgebühr in Höhe von fünf oder sechs Euro vor. Für Kinder und Jugendliche soll die Bücherausleihe kostenlos bleiben.

Die Gebühr soll per Überweisung oder direkt im Amtsgebäude eingezahlt werden. Daraufhin wird der Mitgliedsausweis für die Bibliothek ausgestellt – allerdings nicht sofort. Am Mittwoch, wenn die Bücherei von 17 bis 19 Uhr geöffnet ist, hat die Amtsverwaltung zudem geschlossen.

Gudrun Willutzki hält nichts von den Gebührenplänen. Schließlich verlange sie für ihren Einsatz weder Material- noch Benzingeld. „Ich koste nichts. Da kann das Amt nicht so eine hohe Gebühr verlangen“, sagt die ehrenamtliche Bibliothekarin, die die Bücher mit dem eigenen Auto aus Neuruppin nach Walsleben gebracht und in die Regale einsortiert hat.

Überhaupt sind der Gemeinde bisher keine Kosten für das neue Angebot in Walsleben entstanden. Der Förderverein für öffentliche Bibliotheken im Landkreis hat 300 Euro Fördermittel für Regale zur Verfügung gestellt. Walslebens Bürgermeister Burghard Gammelin hat die Regale in einem Berliner Möbelhaus gekauft, abgeholt und mit Besuchern des Jugendklubs aufgebaut. Die Mitgliedsausweise hat Gudrun Willutzki bisher selbst gebastelt und handschriftlich ausgestellt.

Die beiden kleinen Räume der Bücherei werden ohnehin geheizt. Nur in den Wintermonaten entstehen Stromkosten für die Beleuchtung in zwei Stunden pro Woche. Die Nutzungsgebühr würde maximal 60 Euro im Jahr einbringen. Dieser Einnahme stünde aber auch ein Verwaltungsaufwand gegenüber.

In den Regalen der Bibliothek stehen mehr als 1000 Bücher. Auch Videos, CDs, Kassetten und DVDs können ausgeliehen werden. Alle Medien sind eine Leihgabe des Medienzentrums Neuruppin, nach etwa einem halben Jahr werden sie zurückgegeben, dann kommen neuen Bücher. Auf Wunsch besorgt Gudrun Willutzki auch zusätzliche Bücher.

Die Stadtbibliothek Fehrbellin verlangt für ihr ungleich größeres Angebot und vier Ausleihtage keine Gebühr. (Von Katharina Kastner und Klaus D. Grote)


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