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27.01.2012

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Festnahme im Silikon-Skandal

Jean-Claude Mas, der Gründer des französischen Implantate-Herstellers PIP, sitzt in Polizeigewahrsam

PARIS - Darauf hatten viele Frauen längst gewartet: Jean-Claude Mas, der Gründer des umstrittenen Brustimplantate-Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP), wurde gestern in der Villa seiner Lebensgefährtin im südfranzösischen Küstenort Six-Fours-les-Plages festgenommen und in Polizeigewahrsam genommen.

Dem Franzosen wird fahrlässige Tötung und Körperverletzung vorgeworfen. Auch der ehemalige PIP-Manager Claude Couty wurde verhaftet. Gegen Mas laufen bereits Ermittlungen wegen schweren Betrugs. Er steht zudem im Verdacht, die Insolvenz seiner Firma im Frühjahr 2010 organisiert und sein Vermögen in Briefkastenfirmen versteckt oder Familienangehörigen übertragen zu haben.

Der 72-Jährige wird für den Skandal um mangelhafte Silikonkissen verantwortlich gemacht, von dem bis zu 500 000 Frauen betroffen sind. Durch das ungeeignete Material reißen die Implantate schnell und können Entzündungen hervorrufen. Mas hat zugegeben, bei den Kontrollen systematisch getäuscht zu haben, weist aber ein Risiko durch das nicht zugelassene Silikon zurück.

In einem Interview mit einem französischen Radiosender kritisierte er die „kriminelle“ Entscheidung der Behörden, den 30 000 Frauen mit PIP-Implantaten in Frankreich zu raten, sich diese vorsorglich entfernen zu lassen. Auch andere Länder, darunter Deutschland, riefen inzwischen dazu auf. Mas schockierte mit der Aussage, den Klägerinnen gehe es doch nur ums Geld. Muriel Ajello, Vorsitzende einer Betroffenen-Vereinigung, zeigte sich erleichtert über seine Festnahme.

„Unsere große Sorge war die Gefahr, dass er fliehen könnte. Ich hoffe, dass es endlich bald ein Datum für den Prozess gibt.“ Französische Medien zitierten Justizkreise, wonach sich dieser über Jahre ziehen dürfte. Allein in Frankreich haben fast 2500 Frauen, sowie die staatliche Krankenkasse „Cnam“ Klage eingereicht. Bei 20 Trägerinnen von PIP-Implantaten wurde Krebs festgestellt. Ein Zusammenhang ist allerdings nicht erwiesen.

Im März 2010 hatte der zeitweise weltweit drittgrößte Silikon-Prothesen-Hersteller PIP Konkurs angemeldet, nachdem das Handelsgericht Toulon die Vermarktung, den Vertrieb und die weitere Verwendung der Implantate untersagt hatte. Kürzlich wurde bekannt, dass Mas sich trotzdem offenbar noch im Sommer an der neuen Firma seiner Kinder für medizinisches Material beteiligen wollte.

Die Gesundheitsbehörden stehen in der Kritik, Warnungen und Beschwerden jahrelang ignoriert zu haben. Als Konsequenz fordern Abgeordnete des EU-Gesundheitsausschusses eine Verschärfung der Kontrollsysteme. Auch der TÜV Rheinland, der die Zertifikate für PIP ausstellte, sieht sich Klagen ausgesetzt. (Von Birgit Holzer)


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