Die gute Nachricht lautet: In Brandenburg leben deutlich weniger Kinder in Hartz-IV-Haushalten als noch vor sechs Jahren – rund 12 000 weniger in harten Zahlen ausgedrückt. Nur was besagen die Zahlen? Zunächst, dass die wirtschaftliche gute Entwicklung der vergangenen Jahre in Brandenburg dazu geführt hat, dass die Anzahl der Langzeitarbeitslosen langsam etwas abnimmt. In dieser Hinsicht liegt Brandenburg im bundesweiten Trend. Das ist die gute Nachricht, die die Arbeitsministerin gestern verkündet hat. Ein Beleg dafür, dass deshalb auch die Kinderarmut zurückging, ist das freilich nicht. Armut ist keine feste Größe, sondern bemisst sich am mittleren Einkommen der Bevölkerung. Wer weniger als 60 Prozent davon für seinen Lebensunterhalt zur Verfügung hat, gilt als arm, weil er es dadurch schwer hat, am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Dass weniger Leute mit Hartz IV leben müssen, bedeutet gerade nicht notwendig, dass es weniger arme Kinder gibt. Arm sind auch diejenigen, deren Eltern sich als Billigjobber durchschlagen müssen und damit kaum über den Hartz-IV-Satz kommen. Solange es in Deutschland erlaubt ist, Löhne zu zahlen, die unter Hartz-IV-Niveau liegen, besagen diese Zahlen bei weitem nicht alles über Armut.