POTSDAM - Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hilft vielen Kindern aus der Armut. Lebten 2006 noch 71.000 Kinder unter 15 Jahren in Brandenburg in Familien, die auf Hartz IV angewiesen waren, so sind es heute nur noch 59.000, so die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Das ist ein Rückgang um 16,8 Prozent, deutlich stärker als der bundesweite Rückgang von 13,5 Prozent.
„Das ist eine erfreuliche Nachricht, die zeigt, dass wir in Brandenburg auf einem guten Weg sind“, sagte Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske (SPD). Der Kampf gegen Kinderarmut dürfe aber nicht nachlassen. Wichtigstes Mittel seien Mindestlöhne.
In Brandenburg lebt jedes fünfte Kind von Hartz IV. Vor fünf Jahren waren es noch 26 Prozent. Dabei sind die regionalen Unterschiede im Land weiterhin groß. Am meisten arme Kinder gibt es in Frankfurt (Oder) mit 33,6 Prozent, der Uckermark (33,1 Prozent) und Brandenburg/Havel (32,8 Prozent). Am geringsten ist der Anteil in Potsdam-Mittelmark (10,6 Prozent) und Oberhavel (16,9 Prozent).
Als Beleg für den Erfolg der Reformen auf dem Arbeitsmarkt bezeichnete Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gestern die Zahlen. „Das ist die Ernte dessen, was wir in den vergangenen Jahren an Kraftanstrengungen unternommen haben“, sagte von der Leyen.
Ganz anders sieht man das beim Kinderhilfswerk Unicef. „Für Alleinerziehende ist es weiterhin schwer, aus der Armutsfalle herauszukommen“, sagte Rudi Tarneden, Sprecher von Unicef Deutschland. In Ostdeutschland leben 50,8 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden von Hartz IV. Für die Entwicklung von Kindern sei die Berufstätigkeit der Eltern als Vorbild ausgesprochen wichtig, sagte Tarneden. Das fehle den bundesweit noch immer 1,64 Millionen Kindern, deren Eltern Hartz IV beziehen.
Von einer Verschleierung des Problems sprach Christiane Reckmann, Chefin des auf Initiative der Arbeiterwohlfahrt gegründeten Zukunftsforums Familie. Hartz-IV-Bezug als Kriterium für Armut reiche nicht. Durch Ausweitung des Niedriglohnsektors könnten Eltern oft selbst mit Vollzeitjobs nicht genug verdienen, um eine Familie zu ernähren. „Außerdem nehmen viele Eltern aus Scham oder Unwissenheit staatliche Leistungen gar nicht in Anspruch“, sagte Reckmann.
Insgesamt wenig Fortschritte bei der Bekämpfung der Kinderarmut sieht der Paritätische Wohlfahrtsverband. So habe es zwar im Vergleich zu 2006 einen Rückgang von bundesweit 13,5 Prozent gegeben, so Sprecherin Gwendolyn Stilling., schon mit 2005 als Bezugspunkt wäre die Abnahme mit einem Wert von 7,7 Prozent aber viel geringer. (Von Ulrich Nettelstroth)
Armutshochburg Berlin