BERLIN/POTSDAM - Gut vier Monate vor Eröffnung des Flughafens Schönefeld (Dahme-Spreewald) sind die Flugrouten amtlich. Der Direktor des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung (BAF), Nikolaus Herrmann, bestätigte gestern in Berlin, was am Mittwoch bereits durchgesickert war: Das BAF folgte in seiner Abwägung dem Konzept, das die Deutsche Flugsicherung (DSF) im vergangenen Sommer vorgestellt hatte.
„Alle anderen Grundkonzepte führen zu einer stärkeren Lärmbelastung – insgesamt oder an definierten Stellen“, erklärte Herrmann. Bei der Abwägung hätte seine Behörde kaum Spielraum gehabt. „Wo ein Flughafen ist, ist auch Fluglärm“, sagte er. Die schwerstbetroffene Gemeinde Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming) habe man nicht entlasten können. Dies sei der Lage des Flughafens geschuldet, meinte er.
Herrmann sprach sich dafür aus, den Flugbetrieb sorgfältig zu überprüfen. „Auf Basis dieser Auswertung kann dann über Modifikationen geredet werden“, sagte er.
Ähnlich äußerte sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), der bereits im Vorfeld einen Praxistest für die Routen angemahnt hatte. „Die heute vorgestellten Routen sind nicht in Beton gegossen“, sagte er. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zeigte sich erleichtert, dass das BAF den gemeinsam mit der Fluglärmkommission erarbeiteten Plänen der DFS gefolgt ist. „Damit wurden bedeutende Verbesserungen gegenüber den Erstentwürfen vom September 2010 erreicht“, sagte er. Nun müsse der „Lärmschutz mit voller Kraft unbürokratisch und auch in Grenzfällen im Sinne der Betroffenen“ umgesetzt werden. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) rief dazu auf, die Planung zu akzeptieren. Das Ergebnis sei ein „Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Anforderungen und Kriterien“, sagte er.
Flughafenchef Rainer Schwarz begrüßte die Entscheidung. Das Konzept sei „auch das Ergebnis der engagierten Arbeit der Fluglärmkommission und vieler der Bürgerinitiativen, die konstruktive Beiträge geleistet haben“, sagte er. Das Konzept des BAF hatte bereits im Vorfeld Kritik ausgelöst. Wie berichtet, wollen mehrere Gemeinden dagegen klagen. (Von Torsten Gellner)