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Als die Knef am 1. Februar 2002 mit 76 Jahren starb, wehten am Kurfürstendamm schwarze Fahnen auf Halbmast. Öffentliche Trauer für eine Frau, die in dieser Stadt mehr als nur „mal zuhaus“ war. Ähnlich wie Marlene Dietrich besaß auch Hildegard Knef eine gewisse Berliner Schnoddrigkeit, die nicht zu verwechseln ist mit der berüchtigten großen Klappe. Die beiden Berliner Diven einte der gleiche Stallgeruch, den sie auch dann nicht abstreiften, als sich im Wegfall der Vornamen ihr Status als Weltstar längst manifestiert hatte. Die Knef! Mit einer lax hingeworfenen Bemerkung konnte sie die Distanz zwischen Diven-Olymp und Berliner Bürgersteig auf ein menschliches Maß reduzieren. Auch Pathos, schwülstige Ehrerbietung oder emotionale Überwältigung hielt sie mit ihrer nüchtern-ironischen Art in Schach. Dafür liebten die Berliner ihr „Hildchen“ – aller nackten Sünden, kritischen Bemerkungen zu Deutschland und Gesichts-OPs zum Trotz.
So ist es einmal kein krampfhaft herbeizitierter Lokalpatriotismus, sondern schlicht die Betonung eines wesentlichen Lebensaspekts, wenn die Dokumentation vom RBB „Hilde Knef – Ein Weltstar aus Berlin“ ausdrücklich der Herkunft huldigt. Der umfangreich recherchierte Film des Autors Jens Rübsam verknüpft Archivbilder, Berlin-Impressionen, Erinnerungen von Freunden und Weggefährten zu einer sehenswerten Collage, die sich erfreulicherweise nicht chronologisch an den Lebensstationen der Schauspielerin und Chansonnière abarbeitet. Die Annäherung vollzieht sich über Knefs ambivalenter Liebe zu Berlin und über ihre Musik.
Fünf Monate arbeitete Rübsam an der 90-minütigen Dokumentation. In dieser Zeit sei er gedanklich mit der Knef „spazieren gegangen“ und habe sich gefragt, wie man dieses übervolle Leben erzählen könne. Mehr als 350 Liedtexte hat Hildegard Knef geschrieben, 48 Alben aufgenommen und viele hundert Tage auf der Bühne gestanden. Rübsam zeigt ein „Leben in Liedern“, das in Berlin beginnt („In dieser Stadt“) und von dort zu ihren großen Lebensthemen führt: Liebe („Kennen Sie nicht einen Herrn“), Freundschaft („Eins und eins“), Erfolg und Leid („Von nun an ging’s bergab“) und schließlich Hoffnung („Für mich soll’s rote Rosen regnen“).
Man kennt ihre Lieder. Man kennt ihr Leben. Sie hat es öffentlich gelebt. „So viele Geheimnisse gibt es ja nicht über sie“, sagt Jens Rübsam. Ihm ist es gelungen, engste Freunde vor die Kamera zu holen. Der Auftritt der greisen Mäzenin Gabriele Henkel ist ein Glücksfall für den Film. Sie erzählt von ihrer „Dolly-Sister“. Knef und Henkel hatten sich bei einem Empfang für Henry Kissinger kennengelernt. „Mental und physisch“ einander sehr ähnlich, stellten sie sich dem amerikanischen Außenminister als „Dolly-Sisters“ vor. Eine sektlaunige Begegnung, aus der eine lebenslange Freundschaft erwuchs. Henkel ist es auch, die sich an den schwarz beflaggten Kudamm erinnert und daran, wie sehr sie die öffentliche Anteilnahme freute.
Weitere Freunde aus frühen Jahren wie Joachim Fuchsberger kommen zu Wort. Knefs einzige Tochter Christina Palastanga erzählt, wie sie von ihrer stets besorgten Mutter überfüttert wurde. Jazztrompeter Till Brönner, mit dem die Knef drei Jahre vor ihrem Tod noch eine Platte aufnahm, lüftet eines der letzten Geheimnisse: Sonnenblumen seien ihr viel lieber gewesen als die berühmten roten Rosen. Sie habe schöne Rosen in ihrem Leben gehabt, erzählt die Knef schließlich selbst noch einmal, aber sie alle hatten Dornen.
„Hildegard Knef – Ein Weltstar aus Berlin“, 20.15 Uhr; 22.15 Uhr „Rote Rosen“, eine Gala für die Knef, Moderation Barbara Schöneberger; 23.45 Uhr „Die Sünderin“, RBB. (Von Marika Bent)