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28.01.2012

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Tod eines Zollbeamten

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Wer kann sich noch an „Gustav“ erinnern, jenen ungarischen Comic-Chaoten aus den 70ern? Wenn der in der Glotze einen Krimi sah, dann war das Bibbern groß. Zuerst bekaute er freilich nur seine Fingernägel, dann folgten die obligaten Schweißausbrüche. Schon bald aber verwechselte er vor Aufregung Zigarre und Bockwurst, so dass er erstere in den Senf tunkte und verschlang, während er sich letztere ansteckte und paffte. Schließlich kam der Fernseher selbst dran – krach, bumm, finito! Oh ja, so muss ein Krimi mitreißen.

Diese Bilder im Kopf, kann uns heute Abend nur wehmütig werden. Denn der Auftritt von Klara Blum und Blondie Perlmann (Eva Mattes, Sebastian Bezzel) erinnert uns zwar in Machart und Bildsprache exakt an die 70er Jahre, also an den „Alten“ oder an Tapperts „Derrick“. Aber genau deshalb bleibt unsere Adrenalinpumpe wieder mal absolut beschäftigungslos bei einem Bodensee-„Tatort“. Zu schade!

Sicher, die Vorlage von Leo P. Ard und Birgit Grosz ist klug und fintenreich, so dass Regisseur Jürgen Bretzinger wohl kaum Mühe hatte, daraus einen ordentlichen „Tatort“ zu basteln. Aber „ordentlich“ reicht eben am Sonntagabend nicht mehr. Nicht 2012, wenn wir sehen, wie mittlerweile die Mordfälle in Frankfurt (Król/Kunzendorf), Wiesbaden (Tukur) oder Kiel (Milberg) inszeniert werden. Ganz zu schweigen von der neuen „Polizei-

ruf“-Avantgarde zwischen München (Brandt) und Rostock (Hübner/Sarnau), deren bild- und wortgewaltige Ästhetik davon kündet, dass die ARD ja durchaus im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Aber sei’s drum. Dass wir heute Abend vorgeführt bekommen, was das deutsche Zollamt im Innersten zusammenhält (oder auch nicht), welche Versuchungen gerade an der Grenze zum Steuerparadies Schweiz lauern oder wie die Beamten an den Schlagbäumen überhaupt so ticken, ist ja schon mal aller Ehren wert. Bleiben wir bescheiden.

So muss denn der Zöllner Robert Riebsahl dran glauben (André Berndorff), der offenbar einer Bande von Geldschmugglern auf der Spur war, die regelmäßig dicke Bündel Euroscheine in dicken Limousinen von Deutschland in die Schweiz bugsiert. Im Auftrag gut betuchter Kunden, versteht sich. Klar, dass da irgendwer bei der Zollkontrolle die Augen zudrückt und dafür abkassiert. Aber hat wirklich ein Kollege den tapferen Riebsahl in seinem Auto erschossen?

Ins Visier von Klara und Perlmann geraten die üblichen Verdächtigen: Zwielichtige Zöllner (u.a. Florian Fischer, Falk Rockstroh), ein fieser Fuhrunternehmer (Thomas Bestvater) und ein öliger Schweizer Banker (Urs Jucker). Aber auch die Zollbeamtin Marie Schreiber (feinfühlig: Julia Koschitz), die als alleinerziehende Mutter immer in Geldnot und daher womöglich für Bestechungsversuche empfänglich ist. Hinzu kommen noch ein paar dramaturgische Pirouetten. So muss „Bäckchen“-Ersatz Tanja Kraft (Alwara Höfels) natürlich erst das Ablagesystem auf den Kopf stellen, bevor Perlmann sie gern haben kann. Und so dauert es eine kleine Ewigkeit, bis die Schmuggler und der Mörder überführt sind.

Aber das ist nunmal der Preis für Krimi-Stangenware. Immerhin: Schlauer als vor diesem „Tatort“ sind wir in Sachen Schmugglertricks allemal. Und mit der Bügelwäsche dürften wir am Ende auch fertig sein. Von wegen „Gustav“: Heute Abend geht kein Fernseher drauf.

„Tatort“, 20.15 Uhr, ARD (Von Frank Kober)


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