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28.01.2012

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Der kleine Menschenzoo

Die Dschungelshow „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ ekelt sich ins Finale

POTSDAM - Wenn heute Abend die letzten Kandidaten aus dem kleinen Menschenzoo im australischen Regenwald verschwinden, wird ein doppeltes Seufzen durch Deutschland gehen, Erleichterung und Verzückung zugleich. Wie immer, seit im Jahr 2004 erstmals „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ zu sehen war, haben die Gegner Schlagworte wie „Menschenwürde“ und „Unterschichtenfernsehen“ bemüht, um zu erklären, warum es die RTL-Sendung nicht geben dürfte. Und auch genau wie immer haben die Zuschauer mit der Fernbedienung abgestimmt – und die sechste Ausgabe der vermeintlichen Überlebensshow erneut zum Quotenbringer gemacht. Zwischen diesen beiden Polen liegt die Erkenntnis, dass der Sender die Inszenierung mittlerweile perfekt beherrscht.

Da sind die Kandidaten. Man nehme ehemalige Sportler, Ex-Castingshow-Teilnehmer, ein paar Schauspieler. Je eigensinniger und selbstverliebter, desto besser. Für den Sex-Appeal dürfen es gern auch Models oder ehemalige Pornodarsteller sein. Wobei wohl niemand diese Rolle bisher so gut ausgefüllt hat wie aktuell Micaela Schäfer, ihres Zeichens „Nacktmodell“. Deren aufgesetzte Zurschaustellung der eigenen Intimzonen fand irgendwann auch Moderator Dirk Bach so anstrengend, dass er sich zotig kalauernd beim Publikum entschuldigte: „Wer kann denn ahnen, dass Micaela ihre Brüste öfter ins TV drückt als RTL die Ludowig? Mea vulva.“

Überhaupt, die Kommentare des Duos Sonja Ziethlow und Dirk Bach. Kübel voller Häme kippten sie über den Teilnehmern aus. Wegen der Schulden einiger Kandidaten und der unsicheren Karrieresituation hieß es schon mal: „In diesem Jahr hat die Versehrtenbrigade nur ihre besten Leute geschickt“. Den Lästerattacken und Seitenhieben des Duos auf die Fernsehbranche, Kollegen wie Thomas Gottschalk und sogar den eigenen Sender konnte man Selbstironie, eine gewisse Ehrlichkeit und einen erhöhten Unterhaltungswert nicht absprechen. Und wenn es früher noch Interviews mit den von den Zuschauern Abgewählten gab, sind diese gestrichen worden. Wäre ja noch schöner, wenn der Promi einen Teil der Deutungshoheit über seinen Aufenthalt zurückgewinnen könnte.

Denn heutzutage wissen natürlich auch die Kandidaten, wie es so läuft im Camp. Martin Kesici hatte schon beim Einzug gestanden, nur wegen „der Kohle“ dabei zu sein. Den Rocker zeichnete dann auch eine gewisse Verweigerungshaltung aus – er fiel zum Ärger von RTL nämlich kaum auf. Unverhohlen forderten die Moderatoren die Zuschauer daraufhin auf, das „Vierfingerfaultier“ per Telefon in die Dschungelprüfung zu schicken. Und bei dieser musste der Berliner bis zum Hals im Wasser stehend um Essensrationen kämpfen, was genau – welch Zufall – seiner größten Angst entsprach. Und als Kesici einen Tag danach keine Lust mehr hatte und ging, wurde nachgetreten. Genüsslich und erstmals öffentlich ritten die Moderatoren darauf rum, dass Kesici wegen seines Aufgebens nur einen Teil des Honorars erhalten würde. Da ist auch der Ekelfaktor. Mindestens einmal pro Staffel müssen tierische Genitalien gegessen werden. Inzwischen machen sich die Macher nicht mehr die Mühe, die vermeintlichen Gefahren des künstlichen Dschungels herauszustellen. Felsen aus Plaste werden kaum getarnt. Die zwei respektablen Krokodile dieser Staffel, denen die Kandidaten begegneten, büßten wegen der mit grünen Bändern verschnürten Schnauzen viel von ihrem Schrecken ein.

So konnten die Zuschauer voller Schadenfreude darauf warten, wann die Masken der Insassen fallen würden. Bestens gelang das der ehemaligen „Knoff-Hoff“-Moderatorin Ramona Leiß, die sich in Rambo-Manier Gehör verschaffen wollte und dafür von den anderen Kandidaten offen ausgelacht wurde. Ganz egal, wer sich ab heute Nacht die „Dschungelkrone“ aufsetzen darf – er oder sie wird das Camp nie wieder loswerden. Oder wie es ein Zuschauer per Kommentar zu den Teilnehmern auf den Punkt brachte: „Aber wenigstens wissen sie, das Geld muss solide angelegt werden, denn danach kommt nichts mehr.“

„Ich bin Star – Holt mich hier raus!“, 22.15 Uhr, RTL (Von Sebastian Scholze)


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In diesem Forum gibt es 1 Eintrag

» erpick | 29.01.2012, 10:54

Bin ich zu alt?


Mir fehlt jedes Verständnis für diese Art Show, obwohl ich auch gerne mal eine nackte Schöne betrachte. Nun bin ich ja auch schon etwas über die 60 Jahre alt und da macht sich die erlebte Normalität des TV (aus DFF , aber auch ARD und ZDF) bemerkbar. Warhscheinlich sind die Quotenbringer in dieser Tiershow alle jünger als ich und von der Trivialität der öffentlich rechtlichen Sender zu RTL Getriebene.
In einer Gesellschaft jedoch, in der das Geld ALLES bestimmt, da gibt es eben Konsumenten, die sich rasend gerne ansehen, wie Menschen, denen nichts zu eklich ist, es für Geld öffentlich zu tuen.
Wie wäre es denn für die Planung der nächsten Folgen damit, die Verpaarung von Affen mit Menschen oder umgekehrt mal detailliert abzubilden? Auf Seiten der Menschen finden sich ganz bestimmt Akteure, die für entsprechende "Kohle" bereit wären sich ablichten zu lassen. Bei den Tieren muss man wahrscheinlich etwas andres bieten, dienn die machen es nie für Geld!

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