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28.01.2012

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Landfraß stoppen

Bauern sammeln Unterschriften

HAVELLAND - Der Dammer Landwirt Thomas Richter schlägt Alarm: „Wir können es uns in Deutschland einfach nicht leisten täglich 90 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche zu verlieren“, meint er. Das sei auch verantwortungslos gegenüber nachfolgenden Generationen. Statt Äcker und Wiesen als Ausgleichsflächen für Investitionen zu nutzen, sollte man Ruinen abreißen und die freiwerdenden Flächen neu herrichten. Richter sieht noch ein Problem: Zur Erzeugung von regenerativen Energien werden in Zukunft neue Stromtrassen notwendig, die wiederum landwirtschaftlich genutzte Flächen schlucken.

Gerhard Stackebrandt, Vorsitzender der Kreistagsfraktion „Bauern Plus“ und stellvertretender Sprecher des Kreisbauernverbandes ist ebenfalls besorgt. Er fordert seine Kollegen darum auf, „über den eigenen havelländischen Tellerrand zu schauen“.

Im Havelland sei die aktuelle Situation in Bezug auf Landfraß nicht dramatisch. „Aktuell sind 60 Prozent des Landkreises als Agrarland ausgewiesen“, sagt Stackebrandt. Das sind insgesamt rund 103 000 Hektar. Bewirtschaftet wird etwas weniger. Damit liegt das Havelland landesweit auf dem vierten Platz.

Seit 2006 sind sogar knapp zehn Quadratkilometer landwirtschaftlich genutzte Fläche hinzugekommen. Straßen und Gleise bedecken aktuell vier Prozent der Kreisfläche. Häuser, Gärten, Park- und Spielplätze nehmen etwa fünf Prozent ein. In den Nachbarkreisen Oberhavel und Potsdam-Mittelmark werden noch 43 beziehungsweise 46 Prozent der Gesamtfläche landwirtschaftlich genutzt.

Im Land Brandenburg sind etwa 50 Prozent der Fläche landwirtschaftlich bestellt. Bundesweit ist aber in den letzten zwölf Jahren der landwirtschaftlich genutzte Flächenanteil um 1,2 Prozent gesunken. Dagegen nehmen Siedlungen, Straßen und andere Verkehrsflächen etwa 1,1 Prozent mehr Platz ein.

In jeder Sekunde gehen in Deutschland elf Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche verloren. Straßen und Autobahnen werden gebaut. Neue Häuser und Industrieanlagen entstehen oder Betriebe werden erweitert.

Den deutschen Bauern sind in den letzten 20 Jahren so mehr als 800 000 Hektar Land verloren gegangen. Gerhard Stackebrandt warnt: „Was weg ist, ist weg. Boden ist nicht vermehrbar“. Er fordert eine Trendwende und unterstützt mit dem havelländischen Bauernverband eine Initiative, die der Deutsche Bauernverband auf der Grünen Woche in Berlin gestartet hat. Äcker und Wiesen sollen künftig gesetzlich geschützt werden, fordert der Deutsche Bauernverband. (Von Norbert Stein)


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