MAZ: Das große Einkaufszentrum „Kronenhöfe“ in Zeesen wird es nicht geben. Der Investor zog sich zurück. Er fühlte sich in der Stadt nicht gewollt. Haben Sie ihn vergrault? Eine knappe Mehrheit der Stadtverordneten hatte ihm doch grünes Licht gegeben.
Lutz Franzke: Aber die Lage wurde unberechenbar, weil die Stadtverordneten gespalten waren. Außerdem zeichnete sich ab, dass einige ihre Meinung ändern und vom Beschluss zurücktreten wollten. Da sehe ich es als meine Pflicht, den Investor über die Situation zu informieren. Es hätte sein können, dass er unnötig viel Geld in den Sand setzt. Ich lasse da keinen Investor in unkalkulierbare Risiken laufen.
Hätten Sie ihn nicht unterstützen müssen statt ihn in einem Brief zu warnen? Das war doch der Auftrag des Stadtparlaments?
Franzke: Ich wollte mit ihm darüber reden, wie es weitergehen soll. Doch da hatte er sich schon zurückgezogen. Zu dem vereinbarten Termin ist er nicht mehr gekommen. Dabei waren wir daran interessiert, einen Kompromiss für ein kleineres Einkaufszentrum zu finden. An einem großen gab es zu viel Kritik. Von Anfang an sollte ja über die Größe und das Sortiment verhandelt werden. Investoren können Forderungen anmelden. Aber wir haben ja auch unsere Vorstellungen für die Stadt.
Als es in der Sitzung der Stadtverordneten um das 9000 Quadratmeter Einkaufszentrum ging, haben Sie dagegen gestimmt. Warum?
Franzke: In der Sitzung ist unmittelbar davor das Einzelhandelskonzept beschlossen worden, das für die Stadt Königs Wusterhausen keine so riesigen Einkaufszentren vorsieht. Daran habe ich mich zu halten.
Sind Sie froh, dass das Einkaufszentrum in Zeesen nicht kommt?
Franzke: Ich bin traurig, wie die ganze Geschichte gelaufen ist.
Könnten jetzt nicht auch andere Investoren einen Rückzieher machen, weil die Situation im Stadtparlament so wacklig ist?
Franzke: Diesen Eindruck habe ich überhaupt nicht. Im Gegenteil. Seit Weihnachten klopfen bei mir wöchentlich zwei oder drei Investoren an, die einen 2000 Quadratmeter großen Lebensmittelmarkt mit Vollsortiment, also auch Frischewaren anbieten wollen. Und das ist ja schon lange der Wunsch in Königs Wusterhausen. Wo der Markt dann hinkommt, ob in die Wiesenstraße oder die Bettina-von-Arnim-Straße, vielleicht auch in die Kronenhöfe, das wird sich dann finden.
Wie soll die City von Königs Wusterhausen attraktiver werden? Eine Studie der Industrie- und Handelskammer zeigt, dass das Geld der KönigsWusterhausener in andere Orte fließt. Nur 59 Prozent der Kaufkraft bleibt zu Hause.
Franzke: Dabei ist die Einkommenssteuer in den vergangenen Jahren um 25 Prozent gestiegen. Die Handelssituation ist wirklich nicht befriedigend. Wir wollen jetzt schnell ein Konzept für die Innenstadt entwickeln . . .
. . . schon wieder ein Konzept und Pläne auf dem Papier?
Franzke: Das Konzept bleibt garantiert nicht in der Schublade. Wir müssen die Innenstadt beleben und für mehr Kundschaft sorgen. Nur so können sich die Geschäfte auch halten. Wenn alles klappt, wird das neue Jobcenter in der Wiesenstraße sein Domizil bekommen. Aber das ist noch nicht entschieden. Es wäre aber vernünftig, es nicht irgendwo abseits einzurichten.
Königs Wusterhausen hat ein kleines Kaufhaus in der Bahnhofstraße. Aber es hätte dringend eine Schönheitskur nötig. Kann die Stadt da nichts anstoßen?
Franzke: Wir haben mit dem Insolvenzverwalter des Konsums gesprochen. Es wäre schön, wenn wenigstens die Fassade attraktiver gestaltet werden würde. Der mehrfach avisierte Umbau ist mit dem jetzigen Eigentümer leider nicht in Sicht.
Das Gebäude der Stadtverwaltung in der Karl-Marx-Straße wird leer, wenn das neue Rathaus in der Schlossstraße fertig ist. Könnte man daraus nicht ein modernes kleines Kaufhaus machen?
Franzke: Ein Kaufhaus nicht. Aber wenn es leer ist, wird es verkauft. Ich denke, dass hier dann ein Gebäude mit Wohnungen und Läden entstehen wird.
Was wird mit dem „Weißen Haus“ am Kirchplatz?
Franzke: Es wurde gerade zum Verkauf ausgeschrieben. Künftig könnten hier moderne Mietwohnungen entstehen. Wohnungen sind ein großer Engpass in unserer Stadt. Viele Leute wollen herziehen, weil sie einen Job haben, aber wir können ihnen keine Wohnung anbieten. Rar sind auch besonders altersgerechte Wohnungen. Am Kirchplatz will die Arbeiterwohlfahrt dieses Jahr mit dem Bau solcher Wohnungen beginnen. Dafür wird die alte Fahrschule abgerissen.
Im Juni wird der Flughafen Schönefeld eröffnet. Kommen deswegen auch mehr Investoren nach Königs Wusterhausen?
Franzke: Es ist ein richtiger Ruck zu spüren. Nicht nur Investoren von außerhalb wollen sich niederlassen. Auch heimische Unternehmer wagen den Schritt zur Erweiterung. Die Firma Fernsteuergeräte Kablow plant zum Beispiel in Zernsdorf einen neuen Firmenbau.
Und was ist mit dem Königspark? Bleibt er leer?
Franzke: In den nächsten zwei Jahren wird er nicht wiederzuerkennen sein. Wir verhandeln bereits mit einem Investor, der ein elf Hektar großes Stück erworben hat. Auf dem Funkerberg soll ein Rundum-Autobahn-Service mit Hotel entstehen. Ich hoffe, dass noch dieses Jahr die Bagger rollen. Dazu wird ein Weg von der umstrittenen Ampelkreuzung auf das Funkerberggelände führen. Dieses Service-Zentrum wäre ein Signal für andere Investoren. Wenn erst mal einer da ist, kommen auch andere und die Erschließung ist begonnen.
Das versprochene schnelle Internet lässt noch auf sich warten. Wie lange bummelt es noch?
Franzke: In einigen Gebieten ist ja schon das Unternehmen DNS-net bei der Arbeit. Doch das Gebiet, für das die Telekom den Auftrag von uns bekommen hat, also Zeesen, Neue Mühle und Deutsch Wusterhausen, ist leider noch nicht versorgt. Der Berg an Formalitäten ist noch nicht abgearbeitet. Ich habe da auch viel Lehrgeld gezahlt und muss sagen, dass ich vor allem die Abstimmung mit dem Land unterschätzt habe. Es müssen viele Bretter gebohrt werden, ehe es zur Sache kommt. Wir hätten auch ein anderes Unternehmen beauftragen können, aber dann wären 300 000 Euro Fördermittel verloren gegangen. Auf das Geld können wir nicht verzichten. So wie es jetzt aussieht, wird das schnelle Internet bis zum Ende des Jahres im gesamten Stadtgebiet, also auch in Zeesen und Kablow-Ziegelei, da sein. Miersdorfer Werder wird ebenfalls davon profitieren, weil wir gute Nachbarn sind.