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28.01.2012

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Gedenken an Opfer des Nazi-Terrors

Linke gegen Gleichstellung von DDR und Hitler-Regime / VVN will Ausstellungsteil

POTSDAM / INNENSTADT - Mit einer Gedenkveranstaltung im und einer vor dem Gebäude des früheren Gefängnisses in der Lindenstraße wurde gestern der sechs Millionen Menschen gedacht, die das Nazi-Regime im Zweiten Weltkrieg aus rassischen Gründen ermorden ließ. „Als Hölle auf Erden“ bezeichnete Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) im Gefängnishof das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, das am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreit worden war. Es sei „unfassbar, unsagbar, unbeschreibbar“, was in diesem Lager geschah, sagte Jakobs. Hunderttausende seien „auf zynischste Weise selektiert und viele von ihnen direkt an der Rampe in die Gaskammern geschickt“ worden, „wo sie einen unvorstellbar schrecklichen Tod erlitten. Kinder wurden ihren Eltern entrissen, Familien und Liebende wurden für immer getrennt. Diejenigen Häftlinge, die nicht sofort ermordet wurden, mussten unter schrecklichsten Bedingungen mörderische Zwangsarbeit leisten, vom Hunger gezeichnet, schutzlos der Witterung ausgesetzt und dabei den unmenschlichen Schikanen des Wachpersonals ausgeliefert.“

Insgesamt seien durch den Holocaust sechs Millionen Juden, auch Sinti und Roma, Kriegsgefangene, Widerstandskämpfer, Homosexuelle und Behinderte geschunden und ermordet worden.

Die Gedenkstätte Lindenstraße 54/55 erinnere an die politische Verfolgung in gleich zwei deutschen Diktaturen, erklärte Jakobs. Das Haus habe in der Zeit des Nationalsozialismus als Untersuchungsgefängnis für politische Häftlinge gedient und sei nach dem Krieg durch den russischen Geheimdienst KGB und später von der Stasi in gleicher Funktion übernommen worden. Die Nebeneinanderstellung der Nazi-Diktatur und der SED-Herrschaft zu DDR-Zeiten weckte den Unmut der Linken. Kreischef Sascha Krämer erklärte nach der Gedenkveranstaltung im Gefängnis, der internationale Holocaust-Gedenktag erinnere an ein „Verbrechen, das einmalig ist in der Geschichte“. Menschen, die nicht in das nationalsozialistische Weltbild passten, seien „systematisch und maschinell ermordet“ worden. Es gebe nichts, was mit dem zu vergleichen sei. Darum sei der Vergleich von Jann Jakobs zwischen der menschenverachtenden und -vernichtenden Nazi-Diktatur und der DDR „deplatziert und unwürdig“. Dieser Gedenktag dürfe nicht politisch instrumentalisiert werden.

Vor dem Gefängnisgebäude forderten überwiegend jugendliche Vertreter der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (BdA) in der Gedenkstätte endlich einen eigenen Teil zur Nazi-Vergangenheit des Hauses einzurichten. Immerhin sei hier von 1934 bis 1944 das Erbgesundheitsgericht untergebracht gewesen, vor dem mehr als 4000 Anträge auf Unfruchtbarmachung vermeintlich „Erbkranker“ bearbeitet wurden – eine „Vorstufe zur systematischen Ermordung kranker Menschen und Menschen, die nicht ins NS-Menschenbild passten“. Museums-Chef Hannes Wittenberg sieht die Mahnung gelassen. „Am 30. Januar wird dieser Ausstellungsteil eröffnet“, sagte er der MAZ. Das Land und der Bund hätten je 330 000 Euro dafür gegeben. (Von Rainer Schüler)


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