FALKENSEE - Der malerische Teich mit seinem von Wildrosen gesäumten Rundweg, der kleinen Insel und den Seerosen adelt die Siedlung Finkenkrug. Die Holzbrücke, die die Mündung des Rundsees in seinen langgestreckten Gewässerarm überspannt, ist ein Blickfang für den Spaziergänger. Neu-Finkenkruger mögen meinen, so idyllisch sei es am Lindenweiher schon seit Ewigkeiten gewesen.
Doch das Biotop wurde künstlich geschaffen und ist – im Gegensatz zum eiszeitlichen Falkenhagener See – ein Frischling. Den Lindenweiher gibt es erst seit 110 Jahren, denn er wurde im Zuge der Besiedlung Finkenkrugs 1901/02 angelegt – als Bestandteil eines leistungsfähigen Grabensystems, das die Wasserstände am Rande des Havelländischen Luchs regulieren sollte. 1905 wurde sogar eine Badeanstalt am Weiher errichtet, mit Umkleidekabinen und Liegewiese. Bis 1940 soll das Bad betrieben worden sein. Kähne zogen über den Teich. Eine Spreewaldbrücke – erbaut 1910 – überspannte die Wasserfläche ebenda, wo heute die neue Brücke steht.
Nach dem Krieg, als Falkensee mit Flüchtlingen und Umsiedlern übervölkert war, wuchs sich der Lindenweiher zur Müllkippe aus. Ja, er wurde sogar offiziell als Hausmülldeponie genutzt und mit Jaucheladungen allmählich erdrosselt. Dieser fatale Missbrauch trieb um 1960 Lehrer und Eltern an der nahen Finkenkruger Lessingschule auf die Barrikaden. Sie verlangten von der Kommune, den Teich zu retten und die Badeanstalt für den Schulsport zu reanimieren.
Nach Ausbaggerung der zwei Hektar großen Kloake wurde dort tatsächlich wieder gebadet. Doch der Erfolg war nur von kurzer Dauer: Mangels Pflege verwahrloste der Weiher in kurzer Zeit erneut. Als würde sich die Natur für den Frevel der Menschen schämen, verdeckte sie bald mit üppigem Wildwuchs barmherzig die Schandtaten der Zivilisation.
In der Niedergangsphase der DDR, als das Umweltbewusstsein erwachte, griffen Anwohner zur Selbsthilfe. Sie versuchten in gemeinsamen Arbeitseinsätzen das Elend am Weiher einzudämmen. Doch bald war klar: Das ist ein schwerer Sanierungsfall, hier müssen Spezialisten ran.
Am 28. Januar 1992 gründete sich in der Lessingschule die Bürgerinitiative Lindenweiher. Eingeladen hatte das Alternative Bündnis um Jürgen Sielaff. Das Gründungsprotokoll trägt 28 Unterschriften, auch die von Dieter Rach, der zum Vorsitzenden bestimmt wurde und es nach 20 Jahren noch immer ist.
Das vor dem Zusammenbruch stehende Biotop wurde mit Wirkung vom 1. Juli 1992 zum geschützten Landschaftsteil erklärt. Und Reklame-Reichelt spendierte die Schilder, die das fortan jedermann sichtbar verkündeten. Die Einleitung von Abwässern war nun bei Strafe verboten. Eier-Liebig spendete die ersten 10 000 Mark. Das war die Anschubfinanzierung für die Projektstudien – die Basis des kommenden Marathons. Die Initiatoren, die sich erst einmal orientieren mussten, wie man in diesem neuen Deutschland zu Geld und Unterstützung kommt, wussten bald den Landkreis Nauen und den BUND hinter sich. 1994 konnte mit Fördermitteln des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung ein 790 Meter langer Weg um den Weiher angelegt werden.
Die Bürgerinitiative scharte um sich viele, die in ungezählten Arbeitseinsätzen schippten, räumten, rodeten und pflanzten: Müll und Gestrüpp wurden beräumt, artgerechte Pflanzen gesetzt, ein Naturlehrpfad angelegt, Schauftafeln im Boden verankert.
Im Frühjahr 1997 ließ das Brandenburgische Straßenbauamt den völlig verlandeten Teil zwischen Leistikow- und Karl-Marx-Straße ausbaggern. Die Schlammschicht war 80 Zentimeter stark. Am Ende wurde die kleine Insel wieder freigelegt, die im Unrat völlig untergegangen war. Im Jahr darauf nahmen sich die Bagger des östlichen Teils an, 1999 war der langgestreckte Abschnitt fällig, immerhin 300 Meter lang, wo nach der Ausbaggerung die Restablagerungen mit Sauerstoff behandelt wurden, um die Zersetzung der organischen Stoffe zu forcieren.
Nach so viel Modder war die Pflanzung von 100 Wildrosen am Ufer nahe der Rembrandtstraße ein wahres Labsal. Die wurden 2001 gesetzt, und auch die Lessingschüler waren mit von der Partie. Ihre Biologielehrerin Christel Papke, eine der Gründungsmitglieder der Initiative, hatte sie immer wieder zu Arbeitseinsätzen ermuntert. Und natürlich feierte man auch gemeinsam, denn jedes Jahr wurde der Lindenweiher schöner, weiter, anziehender. Anfang des neuen Jahrtausends schließlich wurde der runde wieder mit dem langen Teil des Biotops verbunden, wofür die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg aufkam. Und auch das Brandenburgische Straßenbauamt brachte sich ein. Denn es war im Zuge des Ausbaus der B 5 zu einer guten Tat zwecks Renaturierung in der Region verpflichtet worden – im Fachjargon Ausgleichsmaßnahme genannt. Für die Brücke, die 2005 eingehoben wurde, hatte die Bürgerinitiative 15 000 Euro Spenden zusammengetrommelt. Eine alleinstehende Dame reichte sogar ohne Zögern 2000 rüber – voller Bewunderung für diese Gruppe, die in kleinen Schritten und mit langem Atem ein Stück ihrer alten Heimat zurück ins Leben geholt hatte. (Von Hiltrud Müller)
Nur noch wenige Wochen, dann sind die Tage wieder länger als die Nächte. Der Abgesang des Winters wird am Himmel durch einen gut zu beobachtenden Wettlauf zwischen den Planeten Venus und Jupiter begleitet. Auch Mars und Saturn sind zunehmend besser zu sehen. Und man kann den Orionnebel genauer beobachten, ein Lieblingsobjekt der Hobby-Astronomen. Denn man schaut in einen „Kreißsaal“ für Sterne.
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