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28.01.2012

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Ausbeutung am Flughafen

Arbeiter um Lohn geprellt / DGB fordert Aufklärung von der Flughafengesellschaft

BERLIN/POTSDAM - Das Angebot, das Imre Tekulics per E-Mail erhielt, klang verlockend. 18 Euro pro Stunde sollte der ungarische Lüftungsmonteur verdienen, wenn er für die Glamini Ausbau GmbH & Co KG auf der Flughafenbaustelle in Schönefeld (Dahme-Spreewald) arbeiten würde – im Vergleich zum üblichen ungarischen Monatslohn von 300 Euro ein fürstliches Gehalt. Tekulics willigte ein und stellte erst nach und nach fest, dass er und rund 40 andere ungarische Arbeiter offenbar Betrügern aufgesessen waren.

Arbeit gab es genug. „Wir haben täglich von sechs bis 18 Uhr gearbeitet, manchmal auch bis 20 oder 20.30 Uhr“, berichtet der große und breitschultrige Mann. Es ging um den Einbau von Klimatechnik, auf Gerüsten unter der Hallendecke im Terminalgebäude. Aber im Arbeitsvertrag war plötzlich nur noch von elf Euro Stundenlohn die Rede und auch das nur bei „hundertprozentiger Leistung“. Ansonsten sollte es nur acht Euro geben. Aber selbst das erhielten die Handwerker nicht, sondern nur ein Taschengeld. Mitte Dezember wandten sich die ersten Arbeiter Hilfe suchend an den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Jetzt geht die Sache vor Gericht.

„Es geht um mehr als 100 000 Euro“, sagte am Freitag Doro Zinke, Chefin des DGB Berlin-Brandenburg. Mindestens für zwei Monate, vom 17. Oktober bis 16. Dezember, wurden bis zu 40 ungarische Arbeiter um ihren Lohn geprellt, so der DGB-Rechtsschutz. „Leider ist das ist kein Einzelfall“, erklärte Zinke. Viele Arbeiter aus Osteuropa arbeiteten auf der Flughafenbaustelle unter ähnlichen Bedingungen, wagten sich aber nicht an die Öffentlichkeit.

Das weist die Flughafengesellschaft zurück. „Der vom DGB dargestellte Vorgang ist ein Einzelfall, den der Flughafen Berlin-Brandenburg bereits prüft“, so Sprecher Ralf Kunkel. Alle Bauunternehmen seien auf Tariftreueregeln verpflichtet, die sie auch bei ihren Subunternehmen durchsetzen müssten. „Hier ist doch offenbar ein Unternehmen mit krimineller Energie vorgegangen“, sagte Kunkel. Auch die Verbände der Bauwirtschaft sehen keine Belege für die Vorwürfe des DGB. „Wir kennen keine weiteren Beschwerden“, sagte Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau.

Von einer „riesengroßen Schweinerei“ sprach Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske (SPD). Er sei den Gewerkschaften dankbar, dass sie sich um die Probleme osteuropäischer Beschäftigter kümmerten.

Ungewiss ist, ob bei Glamini Geld für die ungarischen Arbeiter zu holen ist. Die ungarisch-österreichische Firma hat an ihrem deutschen Sitz in Bad Reichenhall (Bayern) möglicherweise nur einen Briefkasten. Prokurist Zsolt Varjas ist laut Internetseite Ende 2011 von seinem Amt zurückgetreten.

Jetzt geht es um die Frage, ob die eigentlichen Auftragnehmer für das Subunternehmen haften. Nach dem Berliner Vergabegesetz würde eine solche Durchgriffshaftung bestehen. Aber die Baustelle gehört zu Brandenburg und das Brandenburger Vergabegesetz ist erst am 1. Januar 2012 in Kraft getreten. (Von Ulrich Nettelstroth)


Riesige Baustelle:

Bis zu 5500 Bauarbeiter waren in Spitzenzeiten auf der Baustelle für den neuen Großflughafen in Schönefeld (Dahme-Spreewald) beschäftigt. Derzeit sind es noch rund 5000, so Flughafensprecher Ralf Kunkel. Bis zur Eröffnung am 3. Juni werde die Zahl kontinuierlich sinken.

Vier Todesfälle überschatteten die Bauarbeiten. Der letzte Fall ereignete sich Anfang Dezember, als ein polnischer Bauarbeiter von einem zehn Meter hohen Gerüst stürzte und noch an der Unfallstelle starb. Laut Arbeitsschutzbericht des Landes liegt die Baustelle damit aber, auf Arbeitsstunden umgerechnet, deutlich unter dem Durchschnitt.

Bei der Auftragsvergabe sind nach Auskunft der Flughafengesellschaft mehr als 75 Prozent der Arbeiten an Unternehmen aus der Region gegangen.

Die Kosten für den neuen Airport sind mit 2,5 Milliarden Euro veranschlagt. Im Zuge des Ausbaus wird die Fläche des Flughafens um 970 auf insgesamt fast 1500 Hektar erweitert. Das entspricht rund 2000 Fußballfelder. Das Terminal hat sechs Geschossebenen. Jährlich sollen dort bis zu 27 Millionen Passagiere abgefertigt werden. net



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